
„Danke für alles, was du für die Fokolar-Bewegung getan hast“, mit diesen Worten verabschiedete sich Pasquale Foresi, ein Mitbegründer der Fokolar-Bewegung, von Carlos Clarià, kurz vor seinem Tod.
Carlos wurde in Argentinien geboren als zweites von 17 Kindern. Von klein auf wird er von seinen Eltern dazu erzogen, die Verantwortung für die jüngeren Geschwister mitzutragen, für die er zum „väterlichen großen Bruder“ wurde.
Carlos besaß viele Talente, die ihm eine vielversprechende Zukunft garantierten, doch die Begegnung 1963 mit dem Ideal der Einheit gab seinem Leben eine überraschende Wende. Er selbst erzählt: „Ich war zutiefst beeindruckt! Nach und nach verblassten alle meine Ideale: das Studium, die Familie, die Politik…Nur die Liebe zu meiner Verlobten war geblieben…“.
Seit 8 Jahren war er mit Marta verlobt, mit der er eine christliche Familie bilden wollte. Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Jurastudiums (summa cum laude) ging er 1965 nach Loppiano, in die Siedlung der Fokolar-Bewegung, die in der Nähe von Florenz im Entstehen war, um dieses faszinierende Leben nach dem Evangelium tiefer kennenzulernen.

Mit Chiara Lubich
Doch die Pläne Gottes gingen in eine andere Richtung: beide entscheiden sich für eine persönliche, ganzheitliche Entscheidung für Gott in der Ehelosigkeit und werden zu „Aposteln der Einheit“. Carlos schrieb an Chiara: „Ich habe mich Jesus dem Verlassenen geweiht. Du hast mir gesagt, ich solle nicht mehr umkehren, diese Entscheidung sei der erste Stein für mein Heiligwerden. Mit der Hilfe Gottes und der Hilfe von Maria hoffe ich, dass diesem Stein noch viele weitere folgen werden“.
1968 beginnt für Carlos das „spanische Abenteuer“: zusammen mit Margherita Bavosi, -genannt Luminosa, auch sie aus Argentinien und Jahre nach ihrem Tod zur „Dienerin Gottes“ ernannt – übernimmt er die Verantwortung für die Fokolar-Bewegung in Spanien. Es sind Jahre, die von einem großen Wachstum gekennzeichnet sind.
Von 1978 bis 1996 überträgt Chiara Carlos die Verantwortung für die Gen-Bewegung auf Weltebene. So begleitet er Tausende von jungen Männern auf ihrem menschlichen und geistlichen Weg. Einer seiner Mitarbeiter erinnert sich: „Carlos hatte eine große Liebe zu den Gen. Er hat sofort eine Beziehung zu ihnen gefunden und wusste ihre Fähigkeiten und Talente, ihre guten Seiten zu erspüren und einzusetzen. Er hat ihnen geholfen, das Ideal der Einheit konkret werden zu lassen in ihrem persönlichen Leben aber auch im gesellschaftlichen Engagement.“
Es war charakteristisch für Carlos, Beziehungen herzustellen, nicht nur zu den Jugendlichen, sondern zu allen Menschen, denen er begegnete: mit dem Zeitungsverkäufer an der Ecke, wie mit großen Persönlichkeiten. Er hatte gelernt, in allen Jesus zu sehene.
Von 1996 bis 2000 widmete er sich zusammen mit Claretta Dal Ri dem Dialog mit den Menschen, die sich zu keiner Religion bekannten, und von 2000 bis 2008 dem Aspekt der Kommunikation innerhalb der Bewegung. Ein Freund, der sich als religiös ungebunden bezeichnet, schreibt nach dem Tod Carlos in einem an diesen gerichteten Brief: „Lieber Freund, dein Tod hat mich tief ins Herz getroffen. Ich denke daran, wie du einmal einen Dichter zitiert hast, als du unseren Weg beschrieben hast: wir gehen gemeinsam weiter auf einem Weg, den es noch gar nicht gibt, der sich aber im Gehen Stück für Stück offenbart. Wir haben schnell Vertrauen zueinander gefunden, aus dem eine große Freundschaft wurde. Du kannst sicher sein, dass wir weitergehen werden, ohne unseren Pakt der Aufrichtigkeit, des Vertrauens und der Liebe zu brechen“.
Chiara hat Carlos einen Satz aus dem Evangelium als „Lebensregel“ vorgeschlagen: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, sein Werk zu Ende zu führen“ (Joh 4,34), daher der Name „Opus“ (Werk), unter dem ihn viele kannten.
Als sich seine Krankheit Anfang 2009 rapide verschlechterte, begann Opus seinen außergewöhnlichen Endspurt. Oft wiederholte er: „Der Heilige Geist gibt mir immer wieder den Gedanken ein, nicht einen Augenblick zu verlieren!“. Am 9. Mai 2009, wenige Stunden vor seinem Tod, verabschiedet er sich: „Danke all denen, die mir Gutes erwiesen haben in meinem Leben. Ich fühle den Himmel. Ich werde nur „Danke“ singen, wie ein Kind des Evangeliums. Das wahre Leben ist dort, aber hier hat es begonnen. Mutter Maria, lass mich hineingleiten in Jesus den Verlassenen; hilf mir in dem Augenblick, in dem ich Jesus begegne und durch seine große Barmherzigkeit den Schoß des Vaters erreiche. Nur Dank! Wenn ich vor dir stehe, wird das mein Name sein: Danke! Danke!“





