Es ist interessant, das Evangelium zu lesen, aber wenn man es in die Tat umsetzt, ruft man einen Skandal hervor. Das Evangelium kennt keine Auszeit, es hält uns immer in Bewegung. Er, der „Zeichen des Widerspruchs ist“, lässt keinen faulen Frieden zu: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen“. 2 Jahrtausende Geschichte Christi, eine Aufeinanderfolge von Gefängnissen, Richtplätzen, Prangerstehen; nicht immer ist uns bewusst, wie viele Tränen in dieser Zeit im Geheimen geweint wurden.
Doch wie dem auch sei, in jenem verzweifelten und dunklen Schweigen zählt der Glaube. Glauben, ohne zu sehen, sich erinnern an Seine Mahnung – Fürchtet Euch nicht, ihr Kleingläubigen. Ich habe die Welt besiegt.
Dann verschwindet Er und lässt uns klagend und allein zurück. Doch dann kehrt er wieder. In der Mystik endet diese dunkle Nacht in einem flammenden Sonnenaufgang. Es ist nur eine Prüfung: wer sie besteht, siegt. Es ist ein Leiden, das Leben hervorbringt: das Weizenkorn stirbt in der Erde, aber es bringt Frucht unter der Sonne.
Wer Jesus den Gekreuzigten aufnimmt, nimmt den Schmerz in Liebe auf, darin findet er Freude. Wir müssen auf diesem Weg trainieren mit Hilfe des Heiligen Geistes.
Die menschliche Existenz scheint ein grausames Schicksal zu erleiden, mit scheinbaren Niederlagen und großen Enttäuschungen: aber man muss durchhalten. Das Leid behält immer seinen Wert, die Frucht des Widerstandes gegen die Versuchung, aufzugeben, im Glauben und in der Vernunft, in der Liebe und im Kämpferischen, im geistlichen und im zivilen Leben. So wird das Volk zu einem einzigen Leib, zum Mystischen Leib Christi.
Wer unter Tränen sät, wird mit Jubel ernten.




