Ein hervorragendes Beispiel für Inkulturation

 
1997 hat Chiara Lubich im mexikanischen Wallfahrtsort Guadalupe die “Morenita”, die dem Indio Juan Diego erschienen war, den Mexikanern als Vorbild aufgezeigt, um alle Hindernisse und Feindseligkeiten zu überwinden und sich einem Austausch von Gaben zu öffnen.

>>Centro Chiara Lubich>>
Chiara Lubich im mexikanischen Wallfahrtsort Guadalupe die “Morenita”, 1997

Wir sind hier vor dem wunderschönen Bild der Madonna von Guadalupe, vor allem aus Liebe zum mexikanischen Volk.

Ich habe mir sehnlichst gewünscht, hierher zu kommen, nachdem ich mich mit der Geschichte dieses Bildes befasst habe, die mich zutiefst überrascht und bewegt hat.

Und was haben wir im Herzen nach der Begegnung mit unserer Mutter? Nachdem wir dieses einmalige Ereignis betrachtet haben, dieses große Privileg des mexikanischen Volkes, dem sich die edle Frau gezeigt hat?

Ich glaube, es ist eine tiefe, spontane Überzeugung, die uns alle erfüllt: diese Muttergottes, die Madonna von Guadalupe, hat auch mit uns, mit der Fokolar-Bewegung, also mit dem Werk Mariens zu tun.

Wieso?

Weil die Madonna von Guadalupe  die Madonna der Liebe ist. Unsere Spiritualität ist die Liebe.

Die Madonna von Guadalupe zeigt, erklärt, lehrt auf unendliche schöne Weise die Kunst zu lieben, die wir dem Evangelium entnommen haben. Wir wissen, dass die übernatürliche Liebe, also die Liebe, die von Gott kommt, sehr präzise Anforderungen stellt.

Vor allem will sie, dass wir alle lieben. Wir dürfen die Menschen nnicht einteilen in sympathisch und unsympathisch, schön und hässlich, Fremde und Einheimische, Asiaten und Afrikaner. Die Liebe, die Jesus auf die Erde gebracht hat, bezieht alle Menschen ein.

Was hat die Madonna von Guadalupe getan? Sie hat ein einmaliges Beispiel gegeben: sie hat die Indios und die Spanier geliebt.

Die wahre Liebe verlangt von uns, dass wir als Erste lieben, so wie Jesus es getan hat. Er hat sein Leben für uns hingegeben, als wir noch Sünder waren.

So hat die himmlische „Morena“ es gemacht.

Ganz unerwartet ist sie einem Indio erschienen und hat damit zum Ausdruck gebracht, dass Jesus ihn bevorzugt. In einer Zeit, in der die Indios einen grauenvollen Karfreitag durchmachen mussten, hat sie sich nicht einem der Mächtigen dieser Zeit gezeigt, sondern einem Indio. Sie hat seine Sprache gesprochen.

Aber sie ist nicht nur erschienen, sie hat den Menschen auch Erleichterung gebracht, Glück und ihrer himmlischen Zärtlichkeit ist es gelungen, dass sich Millionen von Menschen, der einen und der anderen Seite, sich ihrem Sohn Jesus zugewandt haben.

Wir wissen, dass sich die übernatürliche Liebe  nicht in Gefühlen ergeht, ein Bisschen Wohlwollen zeigt, ein Bisschen Solidarität, oder einfach nur Almosen gibt. Es ist jene Liebe, die Jesus selbst bezeugt hat, indem er für uns Mensch wurde, gelitten hat und für uns starb.

Tatsächlich ist eine andere Eigenschaft der Liebe die Fähigkeit, sich mit den anderen eins zu machen, um sie zu verstehen, ihre Freuden und Leiden mitzutragen. Die Fähigkeit des Sich eins machens bewirkt jene Inkulturation, die von der Kirche heute als so notwendig erachtet wird, um eine authentische Evangelisierung zu ermöglichen.

Die Madonna von Guadalupe ist wirklich die Mutter der wahren Liebe, die Mutter des Sich eins machens.

Sie ist das aussergewöhnliche Beispiel einer großartigen Inkulturation. Schauen wir, wie sie erschienen ist:

Sie hat kein weisses Gesicht, wie man sich Maria von Nazareth vorstellt, ihre Gesichtszüge sind weder die einer weissen, noch die einer Indiofrau. Sie ist morena, hellbraun, um allen zu sagen, dass man sich nicht angreifen, sondern vermischen soll.

Sie zeigt ihre himmlische Mutterschaft durch dunkle Bänder, die von ihrer Brust abwärts fallen, wie es bei den Atzteken Brauch war.

Sie trägt ein Kleid, dass nur Gott und dem König vorbehalten war, um zu beweisen, dass sie zwar nicht göttlicher Natur aber Königin des Universums war.

Sie trägt mit den schwarzen Bändern ein kleines Indiokreuz, um zu zeigen, dass Christus, den sie in ihrem Schoß trägt, das Zentrum des Universums ist. Gleichzeitig ist ein kleines christliches Kreuz,  auf einer Brosche eingeprägt , die sie am Hals trägt.

Hinter ihr ist die Sonne zu erkennen, auf ihrem Mantel sind die Sterne abgebildet, und  der Mond befindet sich unter ihren Füßen. Sonne, Sterne und Mond sind Rivalen untereinander, wie man damals dachte, aber sie leben friedlich miteinander.

Und so könnten wir fortfahren. Ihr Mexikaner hättet dazu noch eine Menge zu sagen.

Aber ich denke, das, was ich aufgezeigt habe, ist ausreichend, um etwas sehr Wichtiges zu verstehen: Inkulturation bedeutet nicht nur, sich mit einem anderen Volk geistigerweise eins zu machen, die „Saatkörner des Wortes“ darin zu entdecken und hervorzuheben, sondern sie bedeutet, dass wir in aller Demut und Dankbarkeit das übernehmen, was wir als gültig in der Kultur unserer Geschwister erkannt haben. Die Inkulturation setzt einen Austausch von Gaben voraus.Das will uns die Madonna von Guadalupe sagen.

Nur so kann das Evangelium in die Herzen der Menschen eindringen und sie verändern und somit seine Revolution mit allen Konsequenzen zum Einsatz bringnen.

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