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(24. September 1894 - 18. April 1980) “Dies ist mein Gebot: liebet einander wie ich euch geliebt habe”.

Chiara Lubich hat in Igino Giordani immer einen Mitbegründer der Fokolar-Bewegung gesehen. Alle nannten ihn „Foco“ (Feuer). Obwohl er überzeugter Pazifist war, wurde er im Ersten Weltkrieg als Offizier eingezogen. Er wurde schwer verwundet und  für seinen Einsatz ausgezeichnet. Giordani war Lehrer, Antifaschist, Bibliothekar, verheiratet, Vater von vier Kindern, bekannter katholischer Polemiker, Verfechter christlichen Engagements in der Politik, Schriftsteller und Journalist. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er als kämpferischer Antifaschist im Exil verbrachte, wurde er ins italienische Parlament gewählt. Giordani  trat für die Anerkennung des Laienstatus in der Kirche ein und war ein Pionier der Ökumene.

Er begegnete Chiara zum ersten Mal in seinem Büro im Parlament im September 1948. Damals machte er eine schwierige Zeit durch, sei es auf geistlicher als auch auf politischer Ebene: „Ich befasste mich leidenschaftlich mit religiösen Themen“, schrieb er in seinem späteren Buch Memorie di un cristiano ingenuo, „ich stürzte mich ins Studium und erschöpfte meine Kräfte in politischen Aktivitäten, aber nur, um mich selbst von der Öde und der Langeweile abzulenken, die mich innerlich gefangen hielten. Ich wusste alles über die Religion, über Dogmen, Mystik, Moral, Askese…aber ich besaß das alles nur kulturell, gelebt habe ich nicht danach.“

An jenem Tag saßen fünf Besucher vor seinem Schreibtisch, deren Zusammensetzung nicht origineller hätte sein können, was ihm als Kenner kirchlichen Lebens sofort auffiel: ein Franziskaner, ein Minorit, ein Kapuziner und zwei Mitglieder des Dritten Ordens, ein Mann und eine Frau, die Frau war Chiara. Die Begegnung begann sehr freundlich, wie es Giordani gewohnt war. Später schrieb er: „Diese verschiedenen Vertreter der Franziskanischen Gemeinschaft zusammen zu erleben, grenzte in der damaligen Zeit an ein Wunder“. Chiara ergriff das Wort unter den höflichen, aber skeptischen Blicken Giordanis: „Ich war auf sentimentale utopische Ergüsse vorbereitet“, berichtete er später, „Stattdessen war es ganz anders. Es war ein völlig ungewohnter Klang in jener Stimme, eine tiefe Überzeugung, eine Sicherheit, die von Gott kam. Meine Neugier war im Nu geweckt und in mir begann ein Feuer zu brennen. Nachdem sie nach einer halben Stunde aufhörte zu reden, war ich wie verzaubert und ich hatte nur den Wunsch, diese Stimme weiter zu hören. Es war die Stimme, auf die ich unbewusst gewartet hatte. Sie machte allen die Heiligkeit zugänglich.“

Giordani bat Chiara, ihm alles, was sie gesagt hatte, schriftlich zu geben. Er wollte das Gesagte unbedingt vertiefen. Nach und nach erkannte er in der Erfahrung der ersten Fokolarinnen die Verwirklichung eines Wunsches von Johannes Chrysostomus, dass es Laien ermöglicht würde, wie Mönche zu leben, ausgenommen den Zölibat. „Ich habe mich intensiv mit diesem Gedanken beschäftigt“, erzählt Giordani weiter, „ich habe es sehr geschätzt, dass die Franziskaner mitten im Volk tätig waren, dass Katharina da Siena eine Gruppe von Laien leitete. Ich habe selbst immer wieder Vorstöße gemacht, um die Grenzen zwischen Mönchsleben und Laientum aufzuheben, zwischen gottgeweihten Menschen und dem normalen Volk: Grenzen, unter denen die Kirche litt. Im Kontakt mit Chiara fügten sich alle kulturellen Bruchstücke in meinem Kopf zusammen, sie formten einen lebendigen Leib, der von der Liebe genährt wurde. Die Liebe war in mein Leben eingetreten. Sie hatte die Ideen zu einer Einheit zusammen gefügt und eine Leuchtspur der Freude hinterlassen.“

Später, nach dem Tod seiner geliebten Frau Mya, zog Foco nach Rocca di Papa ins Fokolar. Allen, die ihm dort begegneten, erzählte er gerne diese Metapher: „Ich bin aus meiner Bibliothek mit ihren unzähligen Büchern in die Kirche umgezogen, die von Christen bewohnt ist.“ Foco hat eine echte Bekehrung  erlebt, „die mich befreit hat aus meinem lebendig Begrabensein, hinein in einen grenzenlosen Raum zwischen Himmel und Erde, wo ich wieder neu lernte, mich zu bewegen.“

Der Seligsprechungsprozess für Igino Giordani, genannt Foco, wurde eingeleitet.

Seine sterbliche Hülle ruht in der Kapelle des Internationalen Zentrums der Fokolar-Bewegung in Rocca di Papa, wo auch Chiara Lubich begraben ist. „Dies ist mein Gebot: liebet einander wie ich euch geliebt haben“ (Joh 15,12) ist der Satz, der auf seinem Grabstein steht. Jenes Wort aus dem Johannesevangelium, das sein ganzes Leben prägte.

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