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30. Juni 2012
Wenn die Geschwisterlichkeit zum Studienobjekt wird, wird sie echtes Leben, sogar mitten in den schlimmsten Konflikten. Das Zeugnis einer jordanischen Studentin der Universität Sophia.

«Meine Familie lebt seit Jahren in Jordanien, aber eigentlich sind wir Palästinenser und ich spüre die Tragödie, die mein Volk durch das israelische erleidet, am eigenen Leib. Wie alle wissen, ist die Situation noch immer katastrophal. Aus politischen Gründen darf mein Vater seit 30 Jahren nicht nach Palästina zurückkehren. Für mich ist es schon schwierig nach Bethlehem zu reisen, um meine Verwandten dort zu besuchen. Ein Teil meiner Familie befindet sich in Israel in Haft, andere sind dem Krieg zum Opfer gefallen.

Diese Ungerechtigkeit schmerzt mich, und da die Kultur, in der ich aufgewachsen bin, die Personen dazu ermutigt auf Gewalt mit neuer Gewalt zu antworten, verspürte auch in mir die Gewalt und jedes Mal, wenn ich sie bei den anderen wahrnahm, konnte ich sie so rechtfertigen.

Als ich nach Italien zum Studium an die Universität Sophia kam, hatte ich viele Fragen in mir… . Hier mache ich eine ganz neue, starke Erfahrung. Ich habe Politik als Studienfach gewählt und habe etwas ganz Neues erlebt: beispielsweise habe ich entdeckt, dass das Prinzip der Geschwisterlichkeit neben der Freiheit und der Gleichheit tatsächlich auch Teil der Politik sein kann. Ich habe verstanden, dass die Geschwisterlichkeit eine Entscheidung ist, eine Antwort auf die Ungerechtigkeit. Hier studiert man nicht nur, sondern es ist genauso wichtig Erfahrungen zu machen, und je mehr man lebt umso mehr versteht man das, was man studiert.

Vor einigen Monaten hat mich die Nachricht, dass Israel und Palästina sich zu einem Austausch von Gefangenen entschlossen haben, sehr getroffen: ich las im Internet, dass es einer gegen 1027 sei. Das war eine unfassbare Nachricht! Viele dieser Palästinenser sind seit 30, 40 Jahren im Gefängnis… Ich wäre so gerne zu Hause gewesen, um diesen Moment mit meiner Familie und meinen Freunden zu feiern. Ich war überwältigt. Mit den anderen Studenten habe ich sehr lange darüber gesprochen, was in meinem Land passierte und auch sie, obwohl sie aus anderen Ländern kommen, haben mit mir gefeiert!

Mit einigen bin ich dann in die Kirche gegangen um für diese Gefangenen und ihre Familien zu beten. Aber als wir aus der Kirche kamen, sagte mir ein Student… „Ich bete auch für diesen israelischen Gefangenen“. Damit war ich nicht einverstanden! Wie konnte er so etwas sagen? Einen gegen mehr als 1000 auszutauschen empfand ich als zutiefst ungerecht…

Zu Hause angekommen, nahm ich meine Bücher zur Hand, konnte aber nicht lernen, ich war wutentbrannt. Tausende Gedanken… bis eine Frage mich nicht mehr los lässt: welchen Sinn hat es, theoretisch die Geschwisterlichkeit zu studieren, wenn ich sie nicht umsetze? Vielleicht sollte auch ich für diesen Gefangenen und seine Familie beten… Es hat mich innerlich viele Schritte gekostet, es war wahnsinnig schwierig, aber am Schluss konnte ich es wirklich aus vollem Herzen tun.

Nachdem nun einige Monate vergangen sind, bin ich denjenigen, die mit mir diesen Moment gelebt haben, nämlich den Studenten/innen und den Professoren/innen der Universität Sophia sehr dankbar. Ich studiere nicht nur die Geschwisterlichkeit, sondern ich (er-)lebe sie auch, sei es in der Beziehung zu Ihnen als auch mit mir selbst. Samar Bandak Jordanien»

( http://www.iu-sophia.org/it-IT/_News_1314 )

(Fonte: sito ufficiale dell’Istituto internazionale Sophia: http://www.iu-sophia.org )