Ungarn erinnert an die Revolution von 1956

 
Vor 60 Jahren führte eine friedliche Studentendemonstration am 23. Oktober zum weltbekannten Ungarnaufstand, der mit aller Härte von sowjetischen Truppen niedergeschlagen wurde.

In diesem Jahr gedenkt man des Ungarnaufstandes von 1956, der nicht nur den Ungarn sehr viel bedeutet, sondern auch für die Fokolar-Bewegung von großer Bedeutung war: einer ihrer wichtigsten Zweige ist daraufhin entstanden: die Freiwilligen.

Die Ideale von 1956 – gehören sie der Vergangenheit, der Geschichte Ungarns an? Könnte die Feier des 60jährigen Jubiläums eine Gelegenheit sein, jene Werte ans Licht zu holen und auch heute umzusetzen, für die damals Tausende von Menschen ihr Leben gegeben haben? Ein Rückblick auf die Geschichte durch die Berichte von zwei Augenzeugen, die heute wie damals für diese Ideale eintreten und danach leben.

Ilona Bacsoi

1956 war ich 8 Jahre alt und war mir der historischen Tragweite der Ereignisse nicht bewusst. Aber ich spürte in meinen Eltern ein leises Aufatmen. Bis dahin hatten wir isoliert von den anderen im Haus gelebt, denn es wohnte dort auch ein Parteifunktionär. Wir durften noch nicht einmal unsere Muttersprache sprechen, Deutsch. Das Jahr 1956 hat etwas aufgebrochen, ein Gefühl von Freiheit lag in der Luft, auch wenn der Aufstand brutal niedergeschlagen wurde und noch  Jahre danach die Sowjets Ungarn unterdrückten. Aber die Menschen hatten die Freiheit gespürt. So vergingen die Jahre, ich wurde christlich erzogen und wollte auch später nach meinem Glauben leben, und das tat ich. Ich heiratete und mein Mann und ich lernten die Fokolar-Bewegung kennen. Ich merkte, dass diese Leute entschiedener für Christus lebten, als die, die am Sonntag in die Kirche gingen. Eines Tages haben wir eine Meditation von Chiara Lubich gelesen, in der sie sagte, wir wären frei, aber Diener Gottes. Ihr könnt alles frei für Gott tun, ihr könnt aus der Freiheit heraus euren Besitz teilen, eure Häuser öffnen, die Menschen aufnehmen. Ich hatte mich immer nach Freiheit gesehnt. Und jetzt wurde mir zusammen mit meinem Mann klar: das war der Weg dazu. Seitdem leben wir als „Freiwillige“ in der Bewegung und sind nach wie vor sehr glücklich über diese Entscheidung.

Október  Kovács

Mein Vater war einer der Anführer der Ereignisse von 1956. Er war zutiefst vom Idealismus jener Jahre erfüllt und erschüttert vom Ausgang der Revolution und der Niederlage im Kampf um die Freiheit. Er wollte die Erinnerung an die Revolution wachhalten durch ein Denkmal, aber er hatte kein Geld, nur Begeisterung und Engagement, und so beschloss er ein lebendiges Denkmal: Nach zwei Kindern bekam er noch ein Kind und nannte es in Erinnerung an die Revolution Október: Das bin ich!

Als ich klein war, wurde ich wegen meines Namens oft verlacht. Aber da mich meine Eltern patriotisch und nach den Werten des Christentums erzogen, bin ich heute noch stolz darauf, ein lebendiges Denkmal zu sein.

Als ich der Fokolar-Bewegung begegnet bin, hat mich die Spiritualität sehr getroffen und angezogen. Nach dem Ungarnaufstand hatte Chiara Lubich gesagt: Wenn es Menschen gibt, die freiwillig ihr Leben für die Freiheit geben, dann muss es auch Menschen geben, die das Gleiche für Gott tun! Das hat mich fasziniert, und ich wollte auch ein solcher Revolutionär werden. Heute braucht Europa keine bewaffnete Revolution, aber eine Revolutin der Liebe. Darin sehe ich den Sinn meines Lebens: als Lehrer, Ehemann und Vater von fünf Kindern.

 

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