Ein abgewiesener Flüchtling

 
Advent, die Zeit der Erwartung für uns Christen, die Zeit neuer Hoffnung, neuen Lebens. Einige Überlegungen von Igino Giordani bereiten uns auf Weihnachten vor.

rubens-2Für die Menschen in der Antike bedeutete das Wort Christus König. Aber Christus war ein König, der nicht ins Bild passte: er wurde in einem Stall geboren, von einer Bauerntochter, unter Tieren und Hirten.

Die anderen Herrscher kamen von oben, um zu herrschen, er kam von unten, um zu dienen, er stellte sich unter alle, um Knecht aller zu sein. Seine Königsherrschaft bestand im Dienst.

Schlicht und bezaubernd: diese Geburt eines Kindes mitten in der Nacht – in der Nacht der Zeit – gleicht einem Idyll und ist doch gleichzeitig tragisch und revolutionär: diese Geburt sagt bereits den Galgen voraus.

Dieser Königssohn, dieser Sohn Gottes kommt unter einfachen, demütigen Geschöpfen auf die Welt, in einer schäbigen Herberge, wie ein Flüchtling, von den Reichen zurückgewiesen, unerkannt von den Armen: aus dem Nichts setzt er eine Revolution in Gang.

Als der Erlöser erschien, erhellte ein starkes Licht die Nacht.

Die Nacht bleibt, aber auch das Licht bleibt, im Christentum ist immer Weihnachten. Und Weihnachten bringt Freude unter Tränen, sogar heute. Gott kam zu uns hernieder, und wir steigen auf zu ihm; Er wird Mensch, wir werden zu Gott; der Ort der Begegnung ist Sein Herz.

Jesus wurde in einem Stall geboren, um uns zu zeigen, dass Er auch in unserem Herzen geboren werden kann, an einem ebenfalls sehr schlichten Ort. Und wenn Er in unseren Herzen geboren wird, dann singen die Engel, dann strahlt der Mond in der Nacht und es regnet Frieden auf die Erde.

Auf diese Weise nimmt das Wort – die Vernunft – heute unter uns Fleisch an und verwandelt einen Stall in einen Vorhof des Paradieses.

Igino Giordani  Le Feste  S.E.I. (1954)  pp. 36-42

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