Gelebtes Evangelium: für den anderen da sein

 
Das Jahr 2017 beginnt mit einem Satz aus dem Evangelium, dem „Wort des Lebens“ für Januar, das uns dazu einlädt, auf die anderen zuzugehen.

vangelo 1Migranten
Die ersten Flüchtlinge kommen in unserer Stadt an. Die Aufnahmeformalitäten werden vor der städtischen Turnhalle, direkt neben unserem Haus, durchgeführt. Vom Balkon aus kann ich die Flüchtlinge sehen, die anstehen, barfuß, im Unterhemd und kurzen Hosen. Plötzlich kommt Wind auf und die Temperatur sinkt ab. Jetzt ist es aus mit dem Zuschauen, ich muss etwas für diese armen Menschen tun, die ohnehin schon so viel erdulden mussten und jetzt nicht auch noch die Kälte aushalten sollen! Ich treffe unter dem Personal einen Mann, den ich kenne. Ich spreche ihn auf die notdürftige Bekleidung an und er sagt, die Kleiderspenden würden nicht ausreichen. Ich kehre um und zusammen mit meinem Mann packen wir Kleidung ein und bringen sie meinem Bekannten, damit er sie verteilt. Wir sprechen auch Freunde und Bekannte an, so dass einige warme Sachen zusammen kommen. Dann fängt es auch noch zu regnen an, aber die Flüchtlinge haben inzwischen wenigstens alle warme Kleidung. Sie danken es uns mit einem Lächeln und einem „grazie“, einem der wenigen Worte, die sie auf Italienisch können.
Raffaella (Italien)
Wir brachten das Geld zusammen
Eine arme Familie mit vielen Kindern hatte ein großes, schier unüberwindliches Problem: der Vater musste dringend operiert werden, aber sie hatten kein Geld dafür. Ich fühlte mich von Jesus angesprochen, mich einzumischen. Zusammen mit Freundinnen und Kollegen haben wir Geld gesammelt. Als wir die nötige Summe zusammen hatten, habe ich ihn ins Krankenhaus begleitet und für ihn bezahlt. Der Eingriff ist gut gegangen. Ich weiss nicht, ob sie sich mehr gefreut haben oder wir! Ich glaube, auch kleine Gesten dieser Art bauen den Frieden in der Welt auf.
N.Y. (Jordanien)

 

Nachbarn
Unsere Nachbarin von gegenüber war krank und brauchte viel Pflege. Aus diesem Grund ist ihr Mann früher in Rente gegangen. Mein Mann und ich haben uns ebenfalls eingesetzt und so sind wir Freunde geworden. Als wir einmal über den Glauben sprachen, stellten wir fest, dass sie sich von der Kirche abgewandt hatte wegen des schlechten Verhaltens eines Priesters. Der Mann war so mit seiner Arbeit beschäftigt gewesen, dass er für nichts anderes Zeit hatte. Ich erzählte, wie Gott sich in meinem Leben einen Weg gebahnt hatte, und die Nachbarin wurde nachdenklich. Schließlich meinte sie, vielleicht wäre ja die Krankheit selbst eine Brücke zu Gott. Von dem Tag an verschwand die Traurigkeit, die zuvor geherrscht hatte. Sie hat sich sogar wieder mehr zurecht gemacht. Eines Abends vertraute mir ihr Mann an: „Für die heitere Gelassenheit gibt es keine Medizin, aber seit geraumer Zeit schöpfen wir aus diesem Besitz.“
L.M. (Frankreich)

Zusammengestellt von Oreste Paliotti

Verhaltensregeln(500)

 

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