Chiara Lubich rückt die Familie ins Licht

 
Am 14. März 2008 hat Chiara ihr irdisches Leben abgeschlossen. Zwei Tage lang befassen sich Ehepaare, Eltern, Kinder und Großeltern aus 50 Ländern in Loppiano mit ihrem Erbe. Sie tauschen sich aus über ihre Erfahrungen, ihr Engagement und ihre Perspektiven für eine Zukunft zum Wohl der Menschheit.
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Als Chiara Lubich 1967 die Bewegung „Neue Familien“ der Fokolar-Bewegung gründete, sagte Igino Giordani zu ihr: „Damit vertraust du den Familien Zündstoff an, eine Reform, mit der die Familien die Welt verändern werden.“ Fünfzig Jahre später, am neunten Jahrestag des Todes der Gründerin, zeigt sich dieser Zweig der Bewegung in voller Blüte. Hunderte Veranstaltungen und Aktionen in vielen Städten der Welt machen deutlich, dass diese Prophezeiung Wirklichkeit geworden ist.
Bei der dreitägigen Veranstaltung in Loppiano waren mehr als tausend Teilnehmer aus fünfzig Ländern, aus allen Generationen, Christen, aber auch Muslime, Buddhisten und Hindus. Man konnte die Früchte der Geschichte im Zusammensein der Generationen sehen, Großeltern, Kinder und Enkel. Das Programm wurde im Internet übertragen und in 19 Sprachen übersetzt. Es hatte drei Themenblöcke: Die Familie – Ort der Beziehung des Paares, mit den Kindern und der Kinder untereinander; die Liebe – Antwort auf die Schwierigkeiten der Familie und ihre Wunden, Herausforderungen und Schmerzen; die Familie – schöpferische Quelle für das Sozialgefüge.

Alle Generationen werden gehört. Ein junges Mädchen spricht von den Schwierigkeiten, die sie und ihre jüngeren Geschwister durch die Alkoholkrankheit des Vaters durchmachen. Sie spricht aber auch von der Hoffnung, die vom gemeinsamen Tragen kommt. „Die Familie ist das Wichtigste, wir dürfen keine Angst haben, den ersten Schritt zu tun. Er ist vielleicht schwer, aber wenn wir ihn aus Liebe gehen, kann er alles verändern.“ Ein Paar erzählt von seiner Suche nach dem „verlorenen Sohn“, der, nachdem er den Familienbetrieb ruiniert hatte und Konkurs anmelden musste, aus dem Land geflüchtet war. Im Schmerz verstanden die Eltern, dass die Barmherzigkeit größer sein musste als der Zorn. Also haben sie sich auf die Suche gemacht, sind ihm nachgereist und konnten ihn wieder in die Arme schließen: der Anfang eines versöhnten Lebens. Dann die Geschichte von Basma und Tatjana, erstere Christin, letztere Muslimin. Das gemeinsam durchgestandene Leid lässt sie wie Schwestern zusammenwachsen, als Basmas Mann starb und sie sich alleine mit zwei Kindern in der Fremde wiederfand. Ihre Beziehung ist wie ein Sinnbild für Völker, die sich begegnen, aber nur in der Wahrnehmung und Offenheit füreinander zu einer großen Familie in der Vielfalt werden können.

In ihrem Betrag hebt Maria Voce den Reichtum hervor, der aus diesen Beiträgen entspringt. Sie erinnert daran, wie das Charisma der Einheit „in uns den Wunsch weckt, die Welt und die Geschichte aus einer anderen Sicht zu betrachten. Sie lässt uns wahrnehmen, dass jeder von uns mit der gesamten Menschheit verbunden ist.” Sie zitiert Chiara Lubich, die am 6. September 1949 schrieb: „Denn mein Ich ist die Menschheit – mit allen Menschen, die waren, die sind und die sein werden. Das spüre und lebe ich; denn ich spüre in mir sowohl die Freude des Himmels als auch den Schmerz der Menschheit, die ein einziger großer verlassener Jesus ist.” Das ist für die Zuhörer wie eine neue Berufung1.

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Photo: SIF – Loppiano

Maria Voce erinnert daran, wie Chiara Lubich zu Beginn der Familienbewegung die Familien aufgerufen hat, sich jenes Teiles der Menschheit anzunehmen, der „am meisten zersplittert, dem verlassenen Jesus am ähnlichsten ist“ und daran, wie die Familien unersetzlich sind, wenn es darum geht, „in den Häusern die Liebe zu erhalten, jene Werte neu zu beleben, die Gott den Familien gegeben hatte, um sie in die ganze Gesellschaft zu tragen, mit Großzügigkeit und ohne sich Ruhe zu gönnen.“ Und sie schließt: Papst Franziskus würde sagen: es ist ein gewagtes Unterfangen, aber wir dürfen uns die Hoffnung nicht nehmen lassen.

Zwei symbolische und gleichzeitig konkrete Gesten drücken Einsatz und Entschlossenheit der Familien aus, nach Hause zurück zu kehren, um dort die universelle Geschwisterlichkeit zu bezeugen und ihren Teil dafür zu tun, wenn es auch immer ein Tropfen im Ozean sein wird. Ein Moment des Gebetes und der persönlichen und gemeinsamen Entscheidung mündet in eine Blume, die jede Familie am Bild außerhalb des Saales anbringt. Und die Partnerschaften zwischen Familien aus verschiedenen Teilen der Welt, die auch auf andere Familien aus der jeweils eigenen Umgebung ausgedehnt werden sollen. So wird ein Netz entstehen, in dem auf die Bedürfnisse des jeweils anderen Teils der Welt geantwortet werden kann.

Am ersten Tag der Begegnung fand zudem das Seminar „Der Pakt der Gegenseitigkeit im Familienleben, Quelle des Vertrauens und der Beziehung“ mit etwa 100 Teilnehmern aus dem akademischen Bereich, Experten im Bereich der Familienberatung, der Pädagogik und Psychologie und weiterer Bereiche statt. Es ging um die Familie unter theologischen, anthropologischen, sozialen, pädagogischen und politischen Gesichtspunkten. Es war eine Reflexion über den Wert der Familie als Ressource für die Menschheit, deren Zukunft und was es bedeutet Person zu sein, was sich in der Familie erst entwickelt. Abschließend wurde als Teil des Universitätsinstitutes Sophia und in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Instituten ein Studienzentrum vorgestellt, das interreligiös, interkonfessionell, interkulturell und interdisziplinär arbeiten wird, um diesen Reichtum universell ausdrücken zu können.

Pressemitteilung

1 Chiara Lubich, Text vom 6. September 1949, veröffentlicht in Nuova Umanità 2008/3, n.177, S. 335.

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Rückkopplung

  1. Antonio Montecalvo

    grazie infinitamente a Chiara e Maria Voce per quello che sta facendo

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