Argentinien: Auf dem Weg mit der Landbevölkerung

 
Neue Arbeitsstellen: verantworteter und nachhaltiger Tourismus. Eine Strategie, die Naturschönheiten nicht belastet.

StefanoDas Programm für Solidarität und nachhaltigen Tourismus, das die Diözesanpastoral von Salta (Argentinien) seit sechs Jahren durchführt, unterstützt und fördert kleine Volksgruppen in Salta, Jujuy und Catamarca im Norden Argentiniens. Humane und natürliche Ressourcen werden geschützt und aufgewertet, um den kulturellen Reichtum zu bewahren, der eng mit der Geschichte des Landes verflochten ist. Gleichzeitig werden berufliche Aus- und Weiterbildungsprogramme angeboten, die mit dem Tourismus verbunden sind: Gastwirtschaft, Transport, Herstellung und Verkauf von handwerklichen Produkten und Lebensmitteln (Webarbeiten Marmelade, Liköre, Honig usw.). So versucht man, die Abwanderung ganzer Bevölkerungsteile vom Land in die Städte einzuschränken, wo sie meistens im Elend landen, und kleine Gemeinschaften zu schützen, die aus einer reichen Kultur stammen und vom Aussterben bedroht sind.

Stefano 2«Was diese Erfahrung von anderen unterscheidet, die sich mit lokaler Entwicklungsförderung befassen – so erklärt Virginia Osorio, Soziologin und Forscherin, die für die Sumá Fraternidad arbeitet – sind die richtungsweisenden  Worte ‘Gemeinschaft und Dialog’. Gemeinschaft, weil jeder Beteiligte seine Talente und Fähigkeiten in das Programm voll einbringt. Dialog, weil es im Entwicklungsprozess eine starke Interaktion aller Subjekte gibt, die sonst oft in Konflikt geraten. Natürlich gab und gibt es Schwierigkeiten, doch unsere Strategie, mit der wir Problematiken angehen, sieht Teamarbeit vor und ein aktives aufeinander Hören zwischen Ortsgemeinschaften, staatlichen Behörden, Unternehmen und anderen Institutionen der Zivilgesellschaft.“

Die Soziologin betont dabei: „Das Ergebnis ist die Entstehung eines neuen Produktes und neuen Konsumverhaltens. Es geht nicht um den Tourismustyp, den wir gewohnt sind. Hier kommt ein wichtiger Faktor hinzu: die Begegnung mit dem kulturellen Reichtum dieser kleinen Landgemeinden, die zum Teil noch von der indigenen Urbevölkerung abstammen, also von einem Tourismus, der die Begegnung unter den Menschen fördert.“

Stefano 3Auch ein junger Tourist aus Italien hat an solch einem Programm teilgenommen. Stefano berichtet: „Ich habe den Eindruck, dass manche Leute, wenn sie eine Reise unternehmen, den gleichen Standard unseres westlichen Lebens erwarten. Wir gehen, um zu konsumieren, so als würde der Besuch in jenem Teil der Welt mit einem Getränk zu vergleichen sein, das man trinkt, und dessen Verpackung man nachher wegwirft. Man macht viele Fotos, kauft Souvenirs, isst ein lokales Gericht und fertig ist die Reise. Doch ein Land, eine Stadt, ein Dorf bestehen nicht nur aus Denkmälern und Souvenirs, sie bestehen aus lebendigen Menschen, die Gastfreundschaft anbieten, ihr Haus teilen, ihren Tisch, ihre Musik: Das ist die echte Form von Tourismus. ‚Compartir‘ ist das spanische Wort für teilen, das habe ich auf meiner Reise nach Argentinien gelernt.“

Und die Argentinier María José und Pablo: „Diese Art von Ferien gefiel uns sehr, Spaziergänge machen, neue Landschaften bewundern, aber vor allem die Möglichkeit, die Menschen zu erleben, die sich hinter Fotos und Ansichtskarten verbergen, die uns erlaubt haben, in die Realität ihrer Gemeinden Einblick zu nehmen. Wir sind aus den Klischees ausgebrochen und haben Menschen in unser Herz aufgenommen; wir haben den ruhigen, tiefen Rhythmus dieser Dörfer erfahren, traumhaft schöne Landschaften gesehen. Wenn wir jetzt in die Stadt zurückkehren, werden wir auch dort den Alltag mit neuen Augen sehen.“

Verhaltensregeln(500)

 

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