Giordani: Ein Weg zum Leben

 
An seinem Todestag veröffentlichen wir bisher unbekannte Texte von Igino Giordani (1894-1980): Gott an der Stelle unseres Ichs; das Leben, eine einzigartige Gelegenheit, um zu lieben…

20150117-a3. November 1955
Wenn die Geschichte ein fünftes Evangelium für die Menschheit ist, dass ist es auch die persönliche Geschichte für jeden Einzelnen. Von Gott her betrachtet, geht es nur um eines: Er möchte uns aus der Zerstreuung zur Einheit mit Ihm zurückführen. Die Trennung von uns lieben Menschen, der Verlust von Ehre und Positionen werden zu einer Aufräumaktion in unserem Leben, in der am Ende nur der Eine bleibt: Gott. So wird jeder Tag ein göttliches Abenteuer, wenn du auf deinem Strahl weitergegangen bist, der dich mit der Sonne der Liebe Gottes verbindet. Es ist ein Weg zum Leben, ein Fortschritt für die Freiheit, an dessen Ziel dich der Vater erwartet: ein Weg zur Fülle, die ohne Ende ist.

19. Dezember 1956
Wenn die christliche Weisheit von uns verlangt, uns selbst zu verleugnen, dann ist das kein Verzicht sondern ein Plus. An die Stelle menschlichen Ehrgeizes tritt ein göttlicher Ehrgeiz, der uns eingibt, Gott an die erste Stelle in unserem Leben zu setzen, d.h. dass wir uns von einer menschlichen auf eine göttliche Ebene, in die Gesellschaft der Dreifaltigkeit begeben. Eine Demut, die zu unendlicher Größe führt. Von diesem Gipfel aus erscheint die Welt winzig. Reichtümer sind Sandkörner und Größe nur Spreu. Also auf uns selbst verzichten, um immer mit Gott zu sein: das Ewige in die Zeit herüberholen, aus der Erde ein Paradies machen. Dann wird der Schmerz zur Grundmaterie von Größe: das Kreuz eine Leiter zum Ewigen Vater.

26. Dezember 1956
Das Leben ist eine einzigartige Möglichkeit, um zu lieben. Darum wurde es uns geschenkt.

16. Oktober 1959
Als Reaktion auf den Individualismus wird heute das Gemeinschaftsleben gepflegt. Es bekommt einen herausragenden Stellenwert in Forschung und Erziehung, führt uns zum Bruder und zum Aufstieg zu Gott in einer Seilmannschaft. Aber man kann dabei auch riskieren, Gott aus dem Blick zu verlieren. Wenn man hinter dem Bruder nicht den Vater sieht, läuft man Gefahr, dass sich Eigenegoismus in Gruppenegoismus verwandelt. Wer uns immer begleitet, ist der Vater: wer uns stützt und uns belebt, ist Er. Daher kommen jeden Tag die großen Enttäuschungen im menschlichen Zusammenleben, durch die Er uns daran erinnert, dass es auch ein göttliches Zusammenleben gibt, anders ausgedrückt: Gemeinschaft entsteht dort, wo man vom Bruder zum Vater übergeht, und vom Vater zum Bruder.

Igino Giordani

Verhaltensregeln(500)

 

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