Die radikale Entscheidung Chiara Lubichs

 
Sich für den entscheiden, der am Höhepunkt seiner Liebe zur Menschheit am Kreuz schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Der Theologe Pasquale Foresi spürt der ausschließlichen Liebe Chiara Lubichs zu Jesus in Seiner Verlassenheit nach.

20170916-02aIn Jesus dem Verlassenen offenbart sich die unendliche Liebe Gottes, die der Vater in die Herzen der Menschen einpflanzt, um seinen Plan mit der Menschheit zu verwirklichen: die Einheit.

Jesus in seiner Verlassenheit zu lieben bedeutet, Ostern in uns selbst zu erleben, der ständige Übergang für uns, die wir noch unterwegs sind, vom Tod zum Leben, von der Abwesenheit Gottes zu seiner Gegenwart, die die christliche Existenz kennzeichnet.

Es geht nicht darum, zu resignieren oder sich dem Leid zu ergeben,  sondern darum, den Weg zu gehen, den uns Jesus eröffnet hat und anzuerkennen, dass Gott genau dort aktiv präsent ist, wo Er in uns und um uns herum zu fehlen scheint.

Es ist ein Ja zu Ihm und zum Sein wie Er. So kann der Heilige Geist in unser gewolltes Nichtsein eindringen und das Geschenk der göttlichen Agape ausbreiten, die uns öffnet für das zukünftige ewige Leben und uns Anteil gibt daran.

Gleichzeitig bewirkt der Verlassene, dass wir auf die Menschheit zugehen, gerade dort, wo sie am meisten leidet und die größte Dunkelheit durchlebt. Der an uns gezogene und geliebte Jesus bringt dorthin, wo Hass ist, die Liebe, wo Tod ist, das Leben, wo Trennung ist, Gemeinschaft und Einheit. Jesus den Verlassenen lieben heißt also Hoffnung wider besseres Wissen, Gottesnähe, wo Gott nicht ist, Gottes Gegenwart dort, wo er schweigt.

Diese Hoffnung ist Gewissheit  einer Welt und einer Menschheitsgeschichte, die sich nicht in sich verschließen, sondern sich öffnen auf die immer neue Begegnung mit Gott, und in Ihm öffnen sie sich für die immer neue Begegnung der Menschen untereinander in einer geschwisterlichen Gemeinschaft, die wirklich universelle Dimensionen besitzt.“

Aus: Pasquale Foresi – LUCE CHE SI INCARNA – Città Nuova 2014 S. 172-173

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