Chiara Lubich: Der König der Gesellschaft

 
Zum Christkönigsfest ein Gedanke zur Vertiefung von der Gründerin der Fokolar-Bewegung

Christ the King Icon-aWenn eines Tages die Menschen, aber nicht als einzelne, sondern als Völker sich selbst, die Vorstellungen von ihrem Vaterland, ihre Reiche hintanstellen und sie als Lobpreis dem Herrn, König eines Reiches, das nicht von dieser Welt ist, Lenker der Geschichte anbieten, und es aus gegenseitiger Liebe zwischen den Staaten tun, die Gott von ihnen genauso wie von den Brüdern und Schwestern verlangt –jener Tag wird der Beginn einer neuen Ära sein. Denn an jenem Tag wird Jesu Gegenwart lebendig sein unter den Völkern wie zwischen zwei oder drei Menschen, die einander in Christus lieben. Jesus wird endlich seinen wahren Platz als der einzige König einnehmen, der ihm nicht nur in den Herzen der Menschen zukommt, sondern auch bei den Nationen. Er wird der Christus-König sein.

Die christlichen Völker bzw. ihre Vertreter müssten fähig sein, ihr „kollektives“ Ich zu opfern. Das ist der Preis dafür. Von jedem von uns wird ja nicht weniger gefordert, damit wir zur vollkommenen Einheit untereinander gelangen.

Für die Völker ist jetzt die Zeit, in der jedes Volk über die eigenen Grenzen hinausblicken und das Vaterland des anderen wie das eigene lieben muss. Wir müssen auf die anderen Völker mit neuem, ungetrübtem Blick schauen.

Um Christ zu sein genügt allein die Loslösung von sich selbst nicht.

Von Menschen, die heute Christus nachfolgen, wird mehr verlangt: ein Bewusstsein der sozialen Dimension des Christentums, in dem er sich nicht darauf beschränkt, das eigene Land Christi Geboten entsprechend zu gestalten, sondern beiträgt zum Aufbau anderer Länder … im universalen Geist der Kirche; in der übernatürlichen Sicht, die Gott, der Vater, uns geschenkt hat – er sieht ja vom Himmel her alles ganz anders als wir.

Wir müssen in einer so exzellenten Weise als Leib Christi leben, dass dieses Leben sich auf die Gesellschaft auswirken kann. (…)

Möge der Herr Erbarmen haben mit dieser zerrissenen, strauchelnden Welt, mit diesen in sich selbst verschlossenen Völkern, die nur die eigene – für sie einmalige -, begrenzte und unbefriedigende Schönheit zu betrachten scheinen; die krampfhaft ihre eigenen Schätze hüten – jenes Gut, das anderen Völkern dienen könnte, in denen die Menschen vor Hunger sterben; dort könnten die Barrieren zum Einstürzen und in ununterbrochener Liebe Ströme geistlicher und materieller Güter zwischen den Ländern in Fluss gebracht werden.

Wir hoffen, dass Gott eine neue Weltordnung schafft; er, der einzig Fähige, der aus der Menschheit eine Familie schaffen und dabei die Besonderheiten der einzelnen Völker voranbringen kann, damit in der Pracht eines jeden Volkes im Dienst am andern das einzige Licht des Lebens erstrahle, das auf Grund der Schönheit des irdischen Vaterlandes aus ihm ein Vorzimmer des himmlischen Vaterlandes macht.

Aus: Chiara Lubich, Worauf kommt es an?, Neue Stadt, München 1983, S. 98f.

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