Weihnachten: Die Revolution Gottes

 
Der Advent hat begonnen, die Zeit der Erwartung und der Hoffnung. In der christlichen Liturgie bereitet man sich vier Wochen lang auf das Kommen des Herrn vor, durch eine Zeit der Buße und der Sammlung. Die Worte Giordanis regen zum Nachdenken an.

candle-1750640_1280_01Weihnachten wird von vielen Menschen als großes Fest begangen, allerdings eher pompös als heilig. Darum ist es gut, auf einige thematische Details dieses Ereignisses zu sprechen zu kommen, durch das die Menschheitsgeschichte in zwei Blöcke geteilt wurde, in vorher und nachher. Da dieses geschichtliche Ereignis von ungeheurer Bedeutung ist, hätte man es sich prunkvoller vorgestellt, mit Salutschüssen und Trommeln, mit Machtdemonstrationen, die Millionen Neugieriger angelockt hätten. Es besteht ein abgrundtiefer Kontrast zwischen der Geburt eines Mächtigen dieser Erde, der in der damaligen Zeit sehnsuchtsvoll erwartet wurde, und der dunklen, unbekannten Geburt Jesu; ein Kontrast, der bereits die unendliche Originalität eines Christkönigs aufzeigte, der von einer armen Frau in einem Stall geboren wurde. Wahrlich, er schien kein Gott zu sein, noch nicht einmal ein prachtvoller Mensch, sondern der elende Letzte unter den Menschen, auf einer extrem niedrigen sozialen Ebene, um sofort allen menschlichen Lebewesen in die Augen sehen zu können und die Umgebung mit ihren Augen zu sehen.

Der Beginn seiner Revolution sieht keinen Stolz vor, sondern nur Demut, um die Söhne und Töchter Gottes zum Himmel zu ziehen, angefangen bei denen, die am Boden aßen und schliefen: die Sklaven, die Arbeitslosen, die Fremden, kurz der Abschaum.

Mit jenem Kind wurden Freiheit und Liebe geboren: seine Freiheit ist die Freiheit zur Liebe. Das ist die unglaubliche Entdeckung. Die universelle Liebe, von der jenes Kind spricht, beendet ein System des Zusammenlebens, das zum großen Teil auf politischer Anmaßung besteht, auf Amtsmissbrauch, Müßiggang und Wucher, auf Ablehnung von Arbeit und Mühe, auf Degradierung der Frau, auf ätzendem Neid. Natürlich ist für all diejenigen, die in diesem System ihren Platz gefunden haben, diese Ankündigung heller Wahnsinn, der im Gefängnis und auf dem Galgen enden muss.

Selig die Armen und diejenigen, die arm werden, um den Armen zu helfen…Man kann sich den Zorn derjenigen vorstellen, für die Geld und Besitz die höchsten Güter sind…

„Von den Alten wurde gesagt: tötet nicht. Ich aber sage euch: wer sich im Zorn gegen seinen Bruder erhebt, wird vor Gericht gestellt werden…“. Diese Maxime schädigt die Ehre der Kriegführenden und die Einnahmen in der Rüstungsindustrie; sich mit dem Bruder versöhnen, bedeutet Ende von Hass und Spaltung, Ende der Gewalt. Diese Maxime würde aus der Gesellschaft ein friedliches Miteinander machen, wo man statt zu schreien und zu schießen, lachen und essen würde. Ein Leben in Frieden würde aus jedem Tag Weihnachten machen.

Und das ist die Revolution Christi. Ständig neu geboren werden gegen die Verdammnis des Todes. Darum besteht das größte Gebot in der Liebe zum Menschen, was so viel bedeutet, wie Gott zu lieben. Den anderen lieben, bereit, das eigene Leben für ihn zu geben.

Das ist in wenigen Worten der Sinn von Weihnachten: Revision der Vergangenheit, Ende der Kriege, der schändlichen Leidenschaften, des Geizes; Beginn einer universellen Liebe, die keine Rassentrennung zulässt, kein Kasten- und Klassendenken… Durch sein Leben und seinen Tod lehrt uns Jesus das Leben. Man kann Weihnachten ruhig mit Plätzchen und Panettone feiern, wenn es zur Liebe führt. Vor allem aber feiert man Weihnachten mit Versöhnung, die Geist und Körper gesund macht. Man feiert Weihnachten, indem man dem Herrn und Maria dankt, die gelitten haben, um uns zu lehren und zu helfen, unser Leid zu beenden.

Igino Giordani, Il Natale come rivoluzione, Città Nuova, Roma 1974, Nr. 24, S.18

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