Ein langer Weg durch die Nacht

 
Die drei Magier, die Jesus suchen, um ihn anzubeten, sind geheimnisvolle Gestalten, die seit Jahrhunderten Neugier und Phantasie anregen. Vor allem aber hinterfragen sie unseren Glauben. Igino Giordani hat sich darüber Gedanken gemacht.

Ephiphany_2018_02Diese drei orientalischen Weisen, die sich auf der anderen Seite der Wüste auf den Weg gemacht haben, um ein Kind zu suchen, sind ein Bild für die Suche des Christentums nach seiner Unschuld.

Dieses Kind war ein König, aber ein König ohne Obdach. Trotzdem suchten sie es unter dem Licht der Sternbilder, von einem Stern geführt.

Das ist das Wunder des Christus. Er löst die Menschen von ihren festgefahrenen Standorten, er befreit die Herzen von ihren versteinernden Interessen, er drängt hinaus aus dem sakralen Gehege, er bringt die Menschen und die Dinge untereinander in Verbindung auf der Suche nach Einheit und Universalität: und so finden sich an seiner Krippe Propheten aus aller Welt ein, Juden und griechische Philosophen, Kunst und Literatur, Brauchtum und Sehnsüchte. Auf dem langen Weg haben sie sich von allem getrennt, was irrational war, unmenschlich, von allen Verirrungen. Alles sammelt sich um Christus, der die vollkommene Vernunft ist.

Die Weisen brachten Schätze und Düfte aus Arabien und Mesopotamien mit: Gefühle und Gegenstände. Die Liebe hat sie aus der Ferne in die Nähe Christi geführt, den großen Armen, der immer in den Armen der Welt zugegen sein wird.

Dieser Marsch der Weisen symbolisiert die Kraftanstrengung, um sich aus der Ferne zu nähern, um aus dem Flachland Höhen zu erklimmen, um aus den Wüsten des Egoismus mit dem Geschenk der Herzen und der materiellen Güter anzukommen, zur Einheit mit Gott: „Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott würde“ pflegte der heilige Augustinus zu sagen: der eine steigt herunter, damit der andere hinaufsteigen kann.

Aber es ist ein langer Weg durch die Nacht, unter Nachstellungen und Kümmernissen. Die Wahrheit erlangt man nicht ohne Mühen; Gott ist die Prämie, die dem geschenkt wird, der ihn unter Mühen sucht: aber wer sucht, der findet.

Igino Giordani, I Re magi, «La Via» n.97, 6. Januar 1951, S.4

 

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