Familie: Wetten, dass Rosy und Leo…

 
Nach 18 Ehejahren lassen sich Rosy und Leo auch kirchlich trauen und entdecken die Familie als Möglichkeit, etwas für andere Menschen zu tun. Sie kümmern sich beispielsweise hingebungsvoll um Kinder, die keine Bleibe haben. Zur Zeit leben sie für ein Jahr an der internationalen Familienschule „Loreto“ in Loppiano.

2017-12-21-PHOTO-00000351Sie kommen aus Neapel, Leo Prisco hat bei der Eisenbahn gearbeitet und Rosy in der Buchhaltung. Jetzt sind beide in Rente. Der Zusatz i.R. trifft für beide im wahrsten Sinn des Wortes zu: In Ruf- und Reichweite. Ihre Geschichte nimmt vor 40 Jahren ihren Anfang. Damals entschieden sich nur wenige Paare für die zivile Trauung. Aber Rosy und Leo sind Agnostiker und lassen sich nur im Rathaus trauen. Sie sind unglaublich unterschiedlich und jeder, der sie kennt, würde wetten, dass es nicht lange gut geht mit ihrer Ehe, ausgenommen sie selbst.

Bei der Geburt des ersten Kindes stellt sich die Frage: Taufe, ja oder nein? Sie wenden sich an den Pfarrer. „Für uns überzeugte Agnostiker und Marxisten – so Rosy – war es unvorstellbar, dass uns ein Priester so offen und herzlich empfing. Don Salvatore hat nicht nur kein Wort verloren über unsere Ehesituation, er ist auch zu einem Freund geworden, mit dem wir so vertraut waren, dass wir ihm gestanden, wir würden sehr oft miteinander streiten. Ja, es war leicht, draußen den Revoluzzer zu spielen, aber zuhause musste ich alles allein machen. Manchmal griff ich zu folgendem, zugegebenermaßen etwas verrückten Mittel. Um von Leo überhaupt gehört zu werden, hing ich in der Küche Spruchbänder auf, wie draußen bei den Demos, vom Typ: „Du bist ein Tyrann“, oder „Die trittst die Gleichheit zwischen Mann und Frau mit Füßen“, manchmal zeigte das Wirkung. Don Salvatore brachte uns in Kontakt mit anderen Paaren. Die hatten auch Schwierigkeiten miteinander, aber sie hatten gelernt, miteinander zu reden. Außerdem besaßen sie ein Erfolgsgeheimnis: sie baten sich gegenseitig um Verzeihung und fingen wieder neu an. Wir haben das auch probiert, und tatsächlich wurde unsere Beziehung von Tag zu Tag besser. Inzwischen hatte Don Salvatore zugestimmt, Francesco zu taufen und auch Nunzio, sechs Jahre später.“

“Es ist Don Salvatore und anderen Familien zu verdanken – erklärt Leo – dass wir Gott und seiner Liebe begegnet sind. Allmählich fühlten wir den Wunsch, auf diese Liebe zu antworten und eine Familie zu sein, wie sie dem Herzen Gottes entsprach. Wir hatten ihm zwar den Rücken gekehrt, aber Gott hatte nie aufgehört, zu uns zu sprechen, wie zum Beispiel 1993 in der Leichenhalle eines Krankenhauses. Wir wurden dort ganz unvermutet mit dem Schmerz eines Elternpaares konfrontiert, die ihr dreijähriges Kind verloren hatten. Es war eine harte Botschaft: Und wenn das uns passiert wäre? Jahre später haben wir übrigens genau dieses Ehepaar bei einem Treffen der Fokolar-Bewegung wieder gesehen, Don Salvatore hatte sie und uns eingeladen. Sie waren in ihrem Schmerz nicht stehen geblieben, sondern hatten drei „Case-famiglia“ für Kinder gegründet, die in Schwierigkeiten waren.“

2017-12-21-PHOTO-000003531995 haben Rosy und Leo die kirchliche Trauung nachgeholt. Es war für sie kein leerer Zufall, dass sie Gino und Elisa in der Fokolar-Bewegung wieder getroffen hatten. „Wir haben uns sofort gut verstanden – erzählt Rosy – ich habe ihnen ganz spontan meine Mitarbeit als Ersatzmutter angeboten in einem der Kinderhäuser der Stiftung Ferraro. Leo kam zu uns nach der Arbeit. Es waren wundervolle sechs Jahre, in denen wir viele Kinder aus ganzem Herzen lieben konnten.“ „Diese Erfahrung – fährt Leo fort – hat uns die Erkenntnis geschenkt, dass wir nur Werkzeuge in der Hand Gottes sind, und dass es nicht besondere Voraussetzungen braucht, um helfen zu können. Wir waren und sind keine perfekte Familie, wir wollen einfach nur den Menschen dienen, in denen sich für uns Jesus selbst verbirgt. Zum Beispiel haben wir zwei russische Mädchen aufgenommen, mit denen wir heute noch in Kontakt stehen, obwohl sie schon längst erwachsen sind.“

Anfang 2017 beschließen Rosy und Leo das 50jährige Jubiläum der „Neuen Familien“ dadurch zu feiern, dass sie sich für die ganzen Feierlichkeiten während des Jubiläumsjahres als Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Das Jahr 2017 ist vorbei, ihre Bereitschaft, sich den anderen zur Verfügung zu stellen, noch lange nicht. Im Oktober 2017 siedeln sie nach Loppiano um bis zum Juli dieses Jahres, um sich dort einzusetzen für die bürokratischen Angelegenheiten, den Transport und die ganze Logistik jener Familien, die aus verschiedenen Ländern der Welt zur Familienschule nach Loppiano kommen, um hier zu lernen, eine Familie nach dem Herzen Gottes zu werden.

Verhaltensregeln(500)

 

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