Maria Voce: Keine Revanche, nur mehr Raum

 
In einem Interview mit der bekannten katholischen Wochenzeitung “Famiglia Cristiana” spricht Maria Voce, die Präsidentin der Fokolar-Bewegung, über die Rolle der Frau und die derzeitigen Herausforderungen der katholischen Kirche.
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© Osservatore Romano

“Sind die Frauen die Zukunft der Kirche?”, betitelt Alberto Chiara das doppelseitige, mit vielen Fotos versehene Interview zum Jahresende. Im Laufe des Gesprächs kommen weitere aktuelle Themen hinzu, von der Rolle der Frauen zu den Herausforderungen des Pontifikates von Papst Franziskus, zu Armen und Randgruppen, bis hin zum Dialog mit den jungen Generationen, denen die nächste Bischofssynode im Oktober 2018 gewidmet ist, der wichtige vorsynodale Ereignisse vorangehen werden.

Werden die Frauen die Kirche retten? „Die Kirche wurde bereits durch Jesus Christus gerettet“, gibt Maria Voce zur Antwort. „Aber es ist von Bedeutung, was sie zusammen mit Männern und Frauen der verschiedenen Gemeinschaften tun.“ Der Journalist gibt sich damit nicht zufrieden, sondern verweist darauf, dass Franziskus in zwei Dikasterien, das der Laien und das der Familie, zwei Frauen berufen hat, beide Familienmütter. Linda Ghisoni (Dozentin und Richterin beim kirchlichen Gericht für Eheannullierungen in Lazio) und Gabriella Gambino (Professorin für Bioethik und Rechtsphilosophie an der römischen Universität in Tor Vergata und für Ehe und Familie am Päpstlichen theologischen Institut Johannes Paul II.). „Ich habe den Eindruck, dass Papst Franziskus beabsichtigt, eine authentische, ehrliche und einander ergänzende Beziehung zwischen Mann und Frau zu fördern“, antwortet Maria Voce. „Natürlich gab es diese Beziehung immer. Am Anfang schuf Gott den Menschen als Mann und Frau. Zwei unterschiedliche Wesen, die gemeinsam die Menschheit ausmachen.“ Ist es jetzt nach so viel Männlichkeitswahn Zeit für die Revanche der Frau? „Der Papst möchte, dass die Frau ebenso wie der Mann die Gelegenheit bekommt, ihre Meinung im Inneren der Kirche zu sagen und Verantwortung zu übernehmen. Dabei geht es nicht darum, den Mann zu verdrängen, sondern darum, die eigenen Fähigkeiten einzubringen, besonders ihre Kreativität und Mütterlichkeit. Es geht um keine Revanche, auch wenn den Frauen bisher weder in der Kirche noch in der Gesellschaft genügend Raum gegeben wurde.“

Auf den Gesundheitszustand der Kirche heute angesprochen, kommentiert die Fokolar-Präsidentin: „Ich bin sehr froh, in dieser Zeit und in dieser Kirche zu leben…Es gibt keinen besseren Augenblick.“ Und sie fügt hinzu: „Am meisten überzeugt mich die Unbeschwertheit, die die Beziehung zwischen dem Papst und dem Volk Gottes auszeichnet. Franziskus ist ein Papst, der immer offen ist, aufmerksam auf die Nöte der Menschheit. Er verbirgt die gegenwärtigen Schwierigkeiten auch im Innern der Kirche nicht, aber jede Zeit hat ihre Schwierigkeiten. Da machen wir keine Ausnahme. Oft denke ich daran, wie sehr Papst Bergoglio leiden muss weil er nicht verstanden sondern mit harten Worten gesteinigt wird für Worte, die aus dem Zusammenhang gerissen werden…“

ChurchLaityAuf die Frage nach Begriffen, die den derzeitigen Pontifex kennzeichnen, antwortet Maria Voce „Liebe“ und „Wahrheit“, wobei „das eine nicht das andere ausschließt. Der Papst weiß, dass manche Dinge, die er tut oder sagt manchen Menschen lästig sind und nicht ganz von allen verstanden werden. Aber er macht weiter, angestoßen von der Liebe, und korrigiert bestimmte Situationen.“ In Bezug auf die Vorlieben des Papstes betont Maria Voce: „Auch wenn der Papst seine Aufmerksamkeit den Armen, Kranken und Ausgestoßenen widmet, bedeutet das nicht, dass er andere wichtige Dinge vernachlässigt.“

Im Blick auf eine Kirche, die immer stärker für einen Dialog auf Augenhöhe eintritt, bringt die Fokolar-Präsidentin einen Wunsch zum Ausdruck: „Dass der Papst einen gemeinsamen Gebetstag lanciert und die Verantwortlichen aller Kirchen dazu einlädt, Orthodoxe, Anglikaner, Lutheraner, Methodisten, Baptisten…während der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen oder in einem anderen Moment. Wenn die Gläubigen ihre Verantwortlichen regelmäßig beten sehen, werden sie entdecken, dass Einheit in Verschiedenheit möglich ist.“ Der Schluss des Interviews ist den Jugendlichen gewidmet, denen sich die Kirche in diesem Jahr besonders widmen möchte: „Wir Erwachsene müssen sie anhören.“

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Rückkopplung

  1. gregorio

    MUCHAS GRACIAS.
    Ahora me/nos toca a todos vivir según esas dos palabras: CARIDAD y VERDAD , y permaneciendo fieles en escuchar a nuestros jóvenes.

    Antworten

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