Chiara Lubich: Maria nachahmen

 
1987 hat Chiara Lubich zum “Marianischen Jahr”, das die katholische Kirche ausgerufen hatte, folgenden, immer noch aktuellen Text geschrieben.
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„Madonna della bella-accoglienza“ © Centro Ave Ceramica

“In diesem Jahr müssen wir eine Möglichkeit finden, die Mutter Gottes auf die beste Art und Weise zu ehren.

Es gibt sehr unterschiedliche Wege: wir können mit ihr sprechen, sie loben, zu ihr beten, die Kirchen aufsuchen, die ihr geweiht sind; wir können sie malen, sie in Stein meißeln, Marienhymnen singen, ihre Bildnisse mit Blumen schmücken…

Eine Art und Weise übertrifft sie alle: wir können sie ehren, indem wir sie nachahmen, indem wir so leben wie sie. Ich glaube, darüber freut sie sich am meisten, denn es gibt ihr die Möglichkeit, in gewisser Weise heute auf die Erde zurückzukehren. Ohne die anderen Wege auszuschließen, müssen wir uns darauf konzentrieren, sie nachzuahmen.

Doch wie können wir das tun? Was sollen wir von ihr nachahmen?

Das, was sie ausmacht. Maria ist Mutter, Mutter Jesu und geistigerweise Mutter von uns allen. Jesus hat sie uns am Kreuz in der Person von Johannes zur Mutter gegeben. Wir müssen sie nachahmen in ihrem Muttersein. Unser Vorsatz in diesem marianischen Jahr könnte konkret heißen: Ich möchte für jeden Menschen, mit dem ich in Kontakt trete oder für den ich arbeite, Mutter sein. Wenn wir danach leben, wird sich unser Leben radikal verändern. Nicht nur, weil wir uns vielleicht als Mutter unserer eigenen Mutter oder als Mutter unseres Vaters verhalten, sondern weil wir grundsätzlich eine ganz neue Haltung annehmen.

Eine Mutter hilft immer, hofft immer, deckt alles zu. Sie vergibt ihrem Sohn alles, selbst wenn er ein Verbrecher wäre, ein Terrorist. Die Liebe einer Mutter ist der Liebe Christi sehr ähnlich, wie sie Paulus beschreibt.

Wenn wir das Herz einer Mutter haben, genauer gesagt: wenn wir uns vornehmen, das Herz der Mutter schlechthin zu haben, also das Herz Mariens, dann werden wir die anderen immer lieben, unter welchen Umständen auch immer, und wir werden immer alles tun, damit Jesus, der Auferstandene, unter uns sein kann. Wenn wir ihr Herz haben, dann werden wir  nicht nur die aus unserer eigenen Kirche lieben, sondern auch die der anderen Kirchen. Nicht nur Christen, sondern auch Muslime, Buddhisten, Hindus usw. Auch alle ohne religiöse Zugehörigkeit, die Menschen guten Willens. Wir werden jeden Menschen auf dieser Erde lieben: denn Maria ist Mutter von allen (vgl. LG 79), ihre Liebe ist universell, so wie die Erlösung universell ist. Auch wenn sie manchmal selbst nicht geliebt wird, liebt sie alle, liebt sie immer.

Daher ist das unser Vorsatz in diesem Jahr: wie Maria leben, so als wären wir wie sie Mütter aller Menschen.

CHIARA LUBICH – Cercando le cose di lassù – Città Nuova 1992

 

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