Lehrerin in einem Vorort von Paris

 
Maria unterrichtet Italienisch in einem der berüchtigtsten Viertel der französischen Hauptstadt, in dem Drogenhandel und Gewalt an der Tagesordnung sind.

Maria ist Italienerin. Sie ist mit einem Franzosen verheiratet und hat zwei Kinder von zehn und zwölf Jahren. Sie unterrichtet an einer “schwierigen” Schule im Norden von Paris, einer jener Schulen, an denen die Lehrer es nicht lange aushalten. „Meine Schule mit einer multikulturellen und heterogenen Schülerzusammensetzung befindet sich in einer kleinen Stadt, Saint-Ouen, mit  Drogen- und Waffenhandel und Racket; auch vor unserer Schule stehen die Drogenhändler. Ich sehe in meinem pädagogischen Auftrag die Antwort auf meine spezielle Berufung, für Chancengleichheit zu arbeiten und die Liebe Christi in eine Umgebung hineinzutragen, wo sie zu fehlen scheint“, berichtet Maria. Die Begegnung mit Chiara Lubich hat sie von klein auf geprägt: „Meine Einstellung zu den Schülern kann ich trotz der erheblichen täglichen Schwierigkeiten immer wieder erneuern, weil ich durch die Einheit mit denen, die das gleiche Ideal mit mir teilen, stets neuen Mut und neue Kraft gewinne.“

Man kann sich vorstellen, dass es für die sanfte Frau mit dem zarten Gesicht und der überzeugenden Stimme nicht einfach war, einen Weg zu finden, um mit diesen Schülern produktiv zu arbeiten, die verbal sehr aggressiv reagierten und ständig Schuleigentum beschädigten. Es war sehr schnell klar, dass die Hilfe für die Schüler über den Kontakt zu den Eltern gehen musste, und auch die Kollegen brauchten Zuspruch. „Aus didaktischer Sicht baue ich meine Arbeit auf kulturelle und interdisziplinäre Projekte auf. Die Organisation eines Projektes ermöglicht es, in Equipe zu arbeiten und sich um die Geschwisterlichkeit unter den Kollegen zu bemühen, um dann ein solches Modell den Jugendlichen vorzuschlagen und glaubwürdig zu erscheinen…“

Das Projekt schließt jeweils mit einer Reise nach Italien ab. Dies motiviert die Schüler, Sprache und Kultur zu lernen, ermöglicht ihnen, Gleichgesinnte zu treffen und eine Erfahrung der Geschwisterlichkeit zu leben. Durch ein solches Projekt können auch die Familien ins Schulleben eingebunden werden, es kann eine Beziehung des Vertrauens entstehen, um gemeinsam Lösungen zu finden, damit es für keinen der Schüler finanzielle Probleme gibt. „Bei einer Unterrichtsstunde hatte ich auf vehemente Weise einer meiner Schülerinnen, Aïcha, geantwortet; Aïcha störte und arbeitete nicht auf konstruktive Weise mit. Beim nächsten Mal versuchte ich, ihr mit Ruhe und Entschiedenheit meinen Standpunkt zu erläutern; ich sagte ihr: damit wir in Harmonie leben können, muss jeder seinen Teil tun. Noch während ich mit Aïcha sprach, schrieb sie mir diese Worte: ‚Es tut mir leid wegen meines Verhaltens am letzten Freitag; es war meiner nicht würdig. Das ganze Wochenende habe ich darüber nachgedacht und mich geschämt. Es wird nicht mehr vorkommen. Ich weiß, dass Sie sich von uns konkrete Taten und keine Worte erwarten und ich möchte mich in diesem Sinne festlegen. Sie sind ein großer, intelligenter und weiser Mensch, der uns Schülern die richtigen Werte vermittelt, und das Verlangen, es zu schaffen. Das werde ich nie vergessen, Aïcha‘.

Und dann war da Yanis, der normalerweise in der Klasse immer passiv war. Bei einer Reise nach Sizilien zeigte es sich, dass er voller Interessen steckte. Er war fasziniert vom griechischen Theater in Taormina und vom römischen Aquädukt von Syrakus, sensibel für die Schönheit der Kunst und offen für diese Pädagogik der kulturellen Entdeckung. Sein Verhalten auf der Reise war vorbildlich.. Abschließend fasste Maria ihre Erfahrung mit folgenden Worten zusammen: „Manchmal habe ich den Eindruck, nichts verändern zu können; andere Male erhalte ich einen greifbaren Beweis, dass der Aufbau von Beziehungen seine Früchte trägt. Ich habe gelernt, nicht sofort ein Ergebnis zu erwarten; in manchen Fällen sieht man es erst mit der Zeit. Auch wenn sich ein Jugendlicher nicht ändert, ist es wichtig, weiterhin an ihn zu glauben und ihn zu begleiten. Die Herausforderung eines jeden Tages besteht darin, den Mut und die Kraft zu finden, um mit dem konkreten Einsatz für die Beziehung die Hoffnung zu nähren.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verhaltensregeln(500)

 

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