Ein Appell zum „Wir“

 
Von der internationalen Siedlung der Fokolar-Bewegung geht die Einladung des Papstes aus, gemeinsam eine verbündete Gesellschaft aufzubauen.
© D. Salmaso – CSC Audiovisivi

Noch liegt ein Nebelschleier über den Straßen, als sich die Bürger von Loppiano auf den Weg machen. Die farbenfrohe Kleidung und die bunte Kopfbedeckung lassen erahnen, dass manche Bewohner von weit her kommen. Roger, 26, kommt von der Elfenbeinküste. „Als wir gehört haben, dass Papst Franziskus zu uns kommen will, fragten wir uns gemeinsam, was wir tun konnten, damit er wirklich ein Volk des Evangeliums vorfindet. Wir haben uns in kleine Gruppen aufgeteilt und uns die Erfahrungen mit dem gelebten Evangelium erzählt, denn das wollten wir ihm schenken. Es war schön, ihn zu empfangen. Aber es wird noch schöner sein, das zu leben, was er uns sagen wird.“

© R. Orefice – CSC Audiovisivi

Und Franco Galli, der zusammen mit Donata Di Paola die Verantwortung für Loppiano wahrnimmt: „Diese Vorbereitungszeit war eine Zeit der Gnade, wir spürten das Wirken Gottes. Jetzt sind wir gespannt, was Papst Franziskus uns sagen wird. In der Welt gehen große Veränderungen vor sich. Der Papst wird uns das mit seinen Augen sehen lassen.“ Umgeben von einer Gruppe buddhistischer Mönche, die mit ihm aus Thailand angereist sind, treffen wir auch Prahama Thongratana Tavorn, bekannt als Luce Ardente. Ein Mönch im klassischen orangefarbenen buddhistischen Mönchskleid, der die meiste Zeit seines Lebens auf Reisen ist. Er besucht in seinem Land Schulen und Gefängnisse und bringt eine Friedensbotschaft mit. In Loppiano ist Luce Ardente zuhause. Man kann sich ihm und seinem strahlenden Gesicht nur schwer entziehen. Seine Sprache ist weich und melodiös. Über einen Übersetzer erklärt er uns: „Wir Buddhisten sagen oft, wir sind uns schon in einem anderen Leben begegnet. Darum kennen wir uns nicht, wenn wir uns sehen, aber wir erkennen uns wieder, denn wir sind Geschwister, wir haben immer etwas gemeinsam.“

20 Minuten sind vergangen, seitdem der Papst in Loppiano angekommen ist. Es scheint eine Ewigkeit, erfüllt von starken Emotionen. Das Festgeläut der Glocken aus der Theotόkos bringt das zum Ausdruck, was niemand genau benennen kann. „Die Sonne ist zurück“, singt Gen Rosso, und tatsächlich scheint schüchtern die Sonne, mit der man nach den vorherigen Regentagen fast nicht mehr zu rechnen wagte. Papst Franziskus fährt durch die begeisterte Menschenmenge zur Wallfahrtskirche „Madre di Dio“, wo er empfangen wird von den bekannten Noten der „Madre dolcissima“.

Fotos © CSC Audiovisivi

Vor vier Jahren hat Papst Franzisklus anlässlich der 50Jahrfeier in Loppiano der Siedlung gewünscht, „immer nach vorne zu schauen, sich mutig und vertrauensvoll ein hohes Ziel zu stecken, mit viel Phantasie.“ Maria Voce greift diese Worte auf: „Wir haben uns von Ihren Worten leiten lassen. Danke, Heiliger Vater, im Namen der ganzen Fokolar-Bewegung, die in Ihrem Besuch einen liebevollen Blick Gottes erkennt.“ Nach einer knappen Vorstellung der Siedlung folgen einige Fragen, auf die der Papst antwortet. „In Loppiano fühlen sich alle zuhause. Ich wollte hierher kommen, weil Loppiano ein Bild der Mission der Kirche von heute ist.“ Franziskus lädt alle dazu ein, durchzuhalten, gelassen zu bleiben, positiv zu denken und den Humor nicht zu verlieren, „jene menschliche Eigenschaft, die uns in die Nähe der Gnade Gottes führt“. „Das Charisma der Einheit ist eine Hilfe, um die evangelische Mystik des ‚Wir‘ zu leben, d.h. uns gemeinsam auf den Weg der Menschheitsgeschichte zu machen. Der Gegensatz zum Individualismus ist das ‚Wir‘. In Loppiano macht man die Erfahrung dieses gemeinsamen Weges.“ Aber der Papst bemerkt auch, „die Geschichte von Loppiano ist erst am Anfang, ein kleiner Samen, der in die Erdschollen der Geschichte gelegt wurde. Dramatische Ereignisse verlangen uns das Höchste ab. Wir müssen uns nicht nur einsetzen für die Begegnung zwischen Menschen, Kulturen und Völkern, sondern wir müssen gemeinsam die epochale Herausforderung annehmen, eine verbündete, globale Gesellschaft zu errichten.“

Sein Appell, eine Kultur des ‚Wir‘ zu errichten über alle kleinen Grenzen unseres Ichs hinweg, hat Loppiano verlassen unter den Noten von Gen Rosso: ‚Die Realität ist eine andere, die Angst kann mich nicht aufhalten, ich mache mich neu auf den Weg.‘


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10 maggio: Papa Francesco a Loppiano

 

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