{"id":353926,"date":"2012-06-15T06:45:04","date_gmt":"2012-06-15T04:45:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.focolare.org\/die-eucharistie-im-neuen-testament-130\/"},"modified":"2024-06-06T12:48:11","modified_gmt":"2024-06-06T10:48:11","slug":"die-eucharistie-im-neuen-testament-130","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/die-eucharistie-im-neuen-testament-130\/","title":{"rendered":"Die Eucharistie im Neuen Testament"},"content":{"rendered":"<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Oktober 1976<\/p>\n<p>DIE EUCHARISTIE IM NEUEN TESTAMENT &#8211;  einige \u00dcberlegungen  <\/p>\n<p>\u201eJesus in der Eucharistie, welche Vermessenheit, welche K\u00fchnheit, von dir zu sprechen, der du in allen Kirchen der Welt die innersten Anliegen kennst, die dir anvertraut werden, die verborgenen Probleme, die Klagen von Millionen von Menschen, die Tr\u00e4nen freudiger Umkehr, um die nur du wei\u00dft, Herz der Menschheit, Herz der Kirche.<br \/>\nWir w\u00fcrden lieber nicht von dir sprechen \u2013 aus Ehrfurcht vor dieser so gro\u00dfen, unbegreiflichen Liebe \u2013 aber gerade unsere Liebe, die jede Furcht besiegen m\u00f6chte, dr\u00e4ngt uns dazu, den Schleier des wei\u00dfen Brotes, des Weins im ver-goldeten Kelch ein wenig zu durchdringen.<\/p>\n<p>Verzeih uns diese K\u00fchnheit! Aber die Liebe will erkennen, um noch mehr zu lieben. Wir m\u00f6chten unseren Weg auf Erden nicht beenden, ohne zumindest ein wenig entdeckt zu haben, wer du bist.\u201d <\/p>\n<p>Und wir m\u00fcssen auch \u00fcber die Eucharistie sprechen. Denn wir sind Christen und in der Kirche, unserer Mutter, leben und bringen wir das Ideal der Einheit.<\/p>\n<p>Kein Geheimnis unseres Glaubens hat aber mit der Einheit so viel zu tun wie die Eucharistie. Die Eucharistie \u00f6ffnet die Einheit und entfaltet ihren ganzen Gehalt; durch sie vollendet sich die Einheit der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander, die Einheit des ganzen Kosmos mit seinem Sch\u00f6p-fer.<br \/>\nGott ist Mensch geworden. Jesus kam auf die Erde. Alles war ihm m\u00f6glich. A-ber es lag in der Logik der Liebe, da\u00df er, der einen solchen Schritt vollzogen hatte, aus der Dreifaltigkeit in das irdische Leben hinein, nicht nur f\u00fcr 33 Jahre auf Erden blieb, auch wenn dieses Leben in g\u00f6ttlicher Weise au\u00dferordentlich war. Er fand eine Art und Weise zu bleiben, ja an allen Punkten der Erde durch alle Jahrhunderte hindurch gegenw\u00e4rtig zu sein in dem Moment, der h\u00f6chster Ausdruck seiner Liebe ist: Opfer und Herrlichkeit, Tod und Auferstehung. Er ist bei uns geblieben. Seine g\u00f6ttliche Fantasie erfand die Eucharistie. Hier geht seine Liebe bis zum \u00c4u\u00dfersten. <\/p>\n<p>Therese von Lisieux ruft aus: \u201eJesus, la\u00df mich im \u00dcberma\u00df meiner Dankbarkeit dir sagen, da\u00df deine Liebe bis zum Wahnsinn reicht &#8230; \u201c(1)<br \/>\nAber wie kam es dazu? Dar\u00fcber schreiben Matth\u00e4us, Markus, Lukas und Pau-lus. Lukas schreibt: \u00ab\u00a0Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den A-posteln zu Tisch. Und er sagte zu ihnen: Wie sehr habe ich mir gew\u00fcnscht, die-ses Paschamahl mit euch zu essen vor meinem Leiden! Denn ich sage euch: ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine Erf\u00fcllung finden wird im Rei-che Gottes &#8230; Dann nahm er Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der f\u00fcr euch hingegeben wird; tut dies zu meinem Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n<p>Ebenso nahm er nach dem Mahle den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das f\u00fcr euch vergossen wird\u201c (Lk 22,14-20).<\/p>\n<p>W\u00e4re er nicht Gott gewesen, wie h\u00e4tte Jesus in so wenigen bedeutungsvollen Worten so neue, unvorstellbare, ja abgrundtiefe Wirklichkeiten ausdr\u00fccken k\u00f6nnen? Sie versetzen uns in Ekstase, weil ihnen gegen\u00fcber das menschliche Sein nicht standh\u00e4lt. Jesus, du bist dort, im Tabernakel, du, der einzige, der al-les wei\u00df. Du wei\u00dft, deine Handlung beim Abendmahl schlie\u00dft Jahrhunderte der Erwartung ab. Du schaust die unendliche Tragweite deines Wirkens, mit dem du den g\u00f6ttlichen Plan ausf\u00fchrst, den die Dreifaltigkeit vorgesehen hat, jenen Plan, der auf der Erde seinen Anfang nimmt und in die zuk\u00fcnftige Unendlichkeit deines Reiches hineinreicht. Wenn du &#8211; so sage ich noch einmal &#8211; nicht Gott gewesen w\u00e4rest, wie h\u00e4ttest du dann so sprechen und handeln k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Doch etwas schimmert durch von dem, was Dein Herz empfand: \u201eWie sehr ha-be ich mir gew\u00fcnscht,\u00a0\u00bb darin liegt unaussprechliche Freude, \u201evor meinem Lei-den\u00a0\u00bb und da umarmen sich Freude und Kreuz, verbinden sich miteinander. Denn was du jetzt tun wolltest, war dein Testament, und ein Testament gilt erst nach dem Tod. Du hast uns ein unermessliches Erbe hinterlassen: dich selbst. <\/p>\n<p>Pierre-Julien Eymard sagt: \u201eAuch Jesus Christus will sein Andenken haben, sein Verm\u00e4chtnis, sein Meisterwerk, das ihn unsterblich macht in den Herzen der Seinen, das fortw\u00e4hrend an seine Liebe zum Menschen erinnert. Er wird es sich ausdenken, es schaffen, es als sein Testament weihen, und sein Tod wird ihm Leben und Herrlichkeit verleihen &#8230; Es ist die g\u00f6ttliche Eucharistie.\u201c(2)<br \/>\nDann \u201esprach Jesus das Dankgebet\u00a0\u00bb.<br \/>\nEucharistie bedeutet: \u201egro\u00dfe Danksagung\u201c&rsquo;, Die eigentliche Danksagung richtet sich an den Vater, da er die Menschheit gef\u00fchrt und gerettet hat durch sein au-\u00dferordentliches Eingreifen. Dann nahm er das Brot und den Kelch mit den Worten: \u201eDas ist mein Leib, der f\u00fcr euch hingegeben wird; tut dies zu meinem Ged\u00e4chtnis. Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blute, das f\u00fcr euch vergossen wird.\u00a0\u00bb<br \/>\nDas ist die Eucharistie, das Wunder.<br \/>\nDie Eucharistie ist nach den Worten von Thomas von Aquin das gr\u00f6\u00dfte der Wunder Jesu Christi. (3)<\/p>\n<p>(Pierre-Julien Eymard sagt) \u201eAlle andern \u00fcbersteigt es durch seinen Gegens-tand, alle \u00fcberragt es durch seine Dauer. Es ist die fortdauernde Inkarnation, das st\u00e4ndige Opfer Jesu, der brennende Dornbusch, der immer auf dem Altar brennt. Es ist das Manna, das wahre Brot des Lebens, das jeden Tag vom Himmel herabkommt.\u201c(4)<\/p>\n<p>Es sind &#8211; um mit Ignatius von Antiochien zu sprechen \u2013\u201eaufsehenerregende Geheimnisse, die Gott im Verborgenen gewirkt hat.\u00a0\u00bb(5)<\/p>\n<p>Und das II. Vatikanische Konzil erkl\u00e4rt: \u201eDie hl. Eucharistie enth\u00e4lt ja das Heils-gut der Kirche in seiner ganzen F\u00fclle: Christus selbst, unser Osterlamm und das lebendige Brot. Durch sein Fleisch, das durch den Heiligen Geist lebt und Leben schafft, spendet er ja den Menschen das Leben.\u201c(6)<\/p>\n<p>Jesus feiert sein Paschamahl als Festmahl. In jedem Haus ist die Stunde des Mahles die Stunde der gr\u00f6\u00dften Vertrautheit, der Br\u00fcderlichkeit, oft der Freund-schaft und des Festes.<br \/>\nDas Mahl, bei dem Jesus den Vorsitz f\u00fchrt, wird gefeiert als j\u00fcdisches Pascha, das in einer Synthese die ganze Geschichte des Volkes Israel enth\u00e4lt. Das letz-te Abendmahl Jesu ist die Erf\u00fcllung aller Verhei\u00dfungen Gottes.<\/p>\n<p>Die Elemente, die bei diesem Mahl genannt werden, sind voller Symbolgehalt aus dem Alten Testament. Das Brot als Gabe Gottes und lebensnotwendige Speise galt als Symbol der Gemeinschaft, Erinnerung an das Manna. Der Wein, in der Genesis als \u201eBlut des Weinstocks\u00a0\u00bb bezeichnet (Gen 49,11), wurde in den Opferfeiern dargeboten (Ex 29,40). Er war Symbol der Freude der k\u00fcnf-tigen messianischen Zeiten (Jer 31,12); der Kelch war Zeichen der Teilnahme an der Freude und der Bereitschaft zum Leiden (Ps 80,6). Er erinnerte an den Bund mit Mose (Ex 24,6). Brot und Wein hatte die Weisheit ihren J\u00fcngern ver-sprochen (Spr 9,1-6).<br \/>\nWie ein j\u00fcdisches Familienoberhaupt wiederholt Jesus in seinen Gesten und im \u201eDanksagungsgebet\u201c den Ritus der Israeliten.<\/p>\n<p>Aber dieses Mahl ist unbeschreiblich neu und verschieden im Vergleich zum j\u00fcdischen Ostermahl. Das Mahl Jesu wird im Zusammenhang mit seinem Lei-den und Tod gefeiert und in der Eucharistie nimmt er zeichenhaft und real sein Erl\u00f6sungsopfer vorweg: er ist dabei Priester und Opfer.<\/p>\n<p>Paul VI. dr\u00fcckte dies am Gr\u00fcndonnerstag 1966 so aus: \u201c&#8230;Wir d\u00fcrfen nicht ver-gessen, da\u00df das Mahl&#8230; ein Ged\u00e4chtnisritus war. Es war das Ostermahl, das sich allj\u00e4hrlich wiederholen mu\u00dfte, um den k\u00fcnftigen Generationen die Erinne-rung an die Befreiung des j\u00fcdischen Volkes aus der Knechtschaft \u00c4gyptens unausl\u00f6schlich einzupr\u00e4gen&#8230; Das Alte Testament entfaltet sich in der Treue zum Ged\u00e4chtnis an jenes erste Osterfest der Befreiung. Jesus ersetzt an jenem Abend das Alte Testament durch das Neue. &lsquo;Das ist mein Blut&rsquo;, sagt er, &lsquo;das Blut des neuen Bundes\u2019 (Mt 26,28); an das alte geschichtliche und vorausdeu-tende Ostern kn\u00fcpft er sein Ostern an&#8230; \u201c(7)<\/p>\n<p>Athanasius schreibt in bezug auf dieses Osterfest des Neuen Testaments: \u00a0\u00bb &#8230; Nachdem der Feind, der Tyrann der ganzen Welt, besiegt wurde, haben wir An-teil, meine Geliebten, nicht an einem zeitlichen Fest, sondern an dem ewigen und himmlischen. Wir zeigen dies nicht in Bildern, sondern vollziehen es wirk-lich.\u201c(8)<br \/>\nEr sagt weiter, da\u00df wir es nicht mehr feiern, indem wir das Fleisch eines Lam-mes essen, sondern \u201ewir essen das Wort des Vaters&#8230;\u201c(9) F\u00fcr Athanasius be-deutet das Essen von Brot und Wein, die Leib und Blut Christi geworden sind, Ostern feiern, d.h. aufs neue Ostern leben. Die Eucharistie ist ja das Sakra-ment der Gemeinschaft mit dem \u00f6sterlichen Christus, mit dem Christus, der tot war und auferstanden ist, der hin\u00fcbergegangen ist (Pascha hei\u00dft Vor\u00fcber-gang), der eingetreten ist in eine neue Phase seiner Existenz, in die Herrlichkeit zur Rechten des Vaters. Jesus in der Eucharistie empfangen bedeutet also, be-reits von diesem irdischen Leben an teilzuhaben an seiner Gemeinschaft mit dem Vater. (10)<br \/>\nUnd die Worte Jesu: \u00ab\u00a0Von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem mit euch davon trinken werde im Reiche meines Vaters\u00a0\u00bb (Mt 26,29), diese Worte, die der be-kannte Exeget Benoit als eine \u00ab\u00a0Verabredung im Himmel\u201d auffa\u00dft, geben der Eucharistie den Charakter eines Mahles, das seine volle Verwirklichung nach unserer Auferstehung erhalten wird.<\/p>\n<p>Johannes hat seine eigene Weise, von Christus als dem Brot des Lebens zu sprechen.<br \/>\nEr berichtet im 6. Kapitel seines Evangeliums, da\u00df Jesus nach der Brotvermeh-rung und nachdem er auf dem Wasser gegangen war, in der gro\u00dfen Rede in Kapharnaum unter anderem sagt: \u00ab\u00a0M\u00fcht euch nicht um die Speise, die verdirbt, sondern um die Speise, die bleibt f\u00fcr das ewige Leben, und die euch der Men-schensohn geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel be-glaubigt\u00a0\u00bb (Joh 6,27).<br \/>\nWenig sp\u00e4ter stellt Jesus sich selbst als das wahre Brot dar, das vom Himmel herabgekommen ist und im Glauben angenommen werden mu\u00df: \u00ab\u00a0Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr durstig sein\u00a0\u00bb (Joh 6,35).<br \/>\nEr erkl\u00e4rt dann, wie er Brot des Lebens sein kann: \u201c Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch f\u00fcr das Leben der Welt &#8230;\u201d (Joh 6,51 b). Jesus versteht sich bereits als Brot. Das also ist der letzte Grund seines Lebens hier auf der Erde: Brot zu sein, um gegessen zu werden, um uns sein Leben mitzuteilen.<\/p>\n<p>\u00ab\u00a0So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand da-von i\u00dft, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel he-rabgekommen ist. Wer von diesem Brot i\u00dft, wird in Ewigkeit leben\u00a0\u00bb (Joh 6, 50-51).<\/p>\n<p>Wie kurzsichtig ist unser Blick gegen\u00fcber der Sicht Jesu!<br \/>\nEr, der Unendliche, der aus der Ewigkeit kommt, hat ein Volk mit Wundern und Gnaden umgeben, er hat seine Kirche aufgebaut und wendet sich nun der Ewigkeit zu, wo das Leben nicht aufh\u00f6ren wird.<br \/>\nWir hingegen beschr\u00e4nken unseren Blick meist auf das Heute, vielleicht noch auf das Morgen dieser unserer kurzen Probezeit, und \u00e4ngstigen uns um Klei-nigkeiten. Wir sind blind im H\u00f6chstma\u00df, ja blind, auch wir Christen. Vielleicht leben wir unseren Glauben, aber ohne volles Bewu\u00dftsein. Wir verstehen Jesus, wenn er Worte des Trostes spricht oder eine Weisung gibt, aber wir sehen nicht den ganzen Jesus! \u00ab\u00a0Im Anfang war das Wort\u00a0\u00bb, dann die Sch\u00f6pfung, dann die Menschwerdung; dann gleichsam eine zweite Inkarnation durch den Heiligen Geist in der Eucharistie, die uns im Leben als Nahrung dient auf dem Weg, dann das Reich mit ihm: wir, verg\u00f6ttlicht durch seine Person, durch sein Fleisch und Blut, die Eucharistie geworden sind.<\/p>\n<p>Wenn man die Wirklichkeit so sieht, bekommt alles seinen richtigen Wert. Alles ist auf die Zukunft ausgerichtet, die wir erreichen, wenn wir, &#8211; so gut wir k\u00f6nnen &#8211; versuchen, schon hier die Realit\u00e4t des Himmels zu leben, wenn wir f\u00fcr die Br\u00fcder und f\u00fcr die Menschheit da sind mit einer Liebe, die der Liebe Jesu \u00e4hn-lich ist, der in die Welt kam und Gutes tat.<\/p>\n<p>Welch ein Abenteuer wird das Leben in dieser Perspektive!<\/p>\n<p>Die Pharis\u00e4er diskutieren und Jesus antwortet, erkl\u00e4rt; best\u00e4tigt nochmals: \u00ab\u00a0Wer mein Fleisch i\u00dft und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater le-be, so wird jeder, der mich i\u00dft, durch mich leben\u201d (Joh 6,56).<\/p>\n<p>\u00ab\u00a0Der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Hier vollendet sich die Einheit zwischen Jesus und dem Menschen, der sich von ihm, dem Brot, n\u00e4hrt. So vermittelt er dem Menschen die F\u00fclle des Lebens, das in Jesus ist, und das er vom Vater bekommt. Damit verwirklicht sich das Innewohnen des Menschen in Jesus.<\/p>\n<p>Albertus Magnus schreibt: \u00ab\u00a0Christus hat uns umarmt in einer \u00dcberf\u00fclle der Lie-be, denn er hat uns so sehr mit sich vereint, da\u00df er selbst in uns ist, da\u00df er in unser Innerstes eindringt&#8230; Die Liebe Gottes bewirkt eine Ekstase: mit Recht sagt man dies von der Liebe Gottes, denn sie bringt Gott in uns und uns in Gott. Der griechische Ausdruck \u201aekstasis\u2018 entspricht dem lateinischen \u201atransla-tio\u2018, das ist \u201aHerausf\u00fchrung\u2018. Jesus sagt ja: &lsquo;Wer mein Fleisch i\u00dft und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm&rsquo; (Joh 6,57). Er sagt: &lsquo;der bleibt in mir&rsquo;, d.h. er wird aus sich herausgef\u00fchrt. Und &lsquo;ich bleibe in ihm&rsquo;, d.h. ich werde aus mir her-ausgef\u00fchrt&#8230;.<br \/>\nDies vermag seine Liebe zu wirken, die in uns eindringt und uns an sich zieht, und uns nicht nur anzieht, sondern uns mitrei\u00dft, und er dringt in uns ein bis ins Mark.\u201c(12)<\/p>\n<p>In diesem wunderbaren Kapitel des Johannesevangeliums bekr\u00e4ftigt Jesus: \u00ab\u00a0Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch f\u00fcr das Leben der Welt\u00a0\u00bb (Joh 6,51). Und weiter: \u00ab\u00a0Wer mein Fleisch i\u00dft und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag\u00a0\u00bb (Joh 6,54).<br \/>\n\u201e&#8230; f\u00fcr das Leben der Welt.\u00a0\u00bb Die Eucharistie dient also schon in dieser Welt da-zu, das Leben zu schenken. Aber was ist das Leben? Jesus hat es gesagt: \u201eIch bin das Leben\u00a0\u00bb (Joh 11,25; 14,6). Durch dieses Brot n\u00e4hrt er uns mit sich selbst &#8211; schon jetzt.<br \/>\n\u201eUnd ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.\u00a0\u00bb Die Eucharistie gibt Leben auch f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Welt. Aber was ist die Auferstehung? Jesus hat es ge-sagt: \u00ab\u00a0Ich bin die Auferstehung\u00a0\u00bb (Joh 11,25). Er ist es, der in uns sein unsterbli-ches Leben beginnt, das mit dem Tod nicht endet. Auch wenn der Leib ver-g\u00e4nglich ist, das Leben, Christus, bleibt in der Seele wie im Leib als Prinzip der Unsterblichkeit. Ein gro\u00dfes Geheimnis ist die Auferstehung\/ f\u00fcr alle, die mit menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben rechnen. Aber es gibt eine Lebensweise, durch die das Geheimnis weniger unverst\u00e4ndlich wird.<\/p>\n<p>Wenn wir das Evangelium aus der Perspektive der Einheit leben, erfahren wir z.B., da\u00df die Verwirklichung des Neuen Gebotes Jesu, der gegenseitigen Lie-be, zu einer br\u00fcderlichen Einheit unter den Menschen f\u00fchrt, die selbst die menschlichen, nat\u00fcrlichen Bindungen \u00fcbersteigt. Dieses Ergebnis, diese Er-oberung, wird dadurch bewirkt, da\u00df man den Willen Gottes tut. Jesus wu\u00dfte, da\u00df wir, wenn wir seinen unerme\u00dflichen Gaben entsprechen, nicht mehr seine \u00ab\u00a0Knechte\u00a0\u00bb oder \u00ab\u00a0Freunde\u00a0\u00bb sind, sondern seine \u00ab\u00a0Br\u00fcder\u00a0\u00bb und Br\u00fcder untereinan-der, weil wir mit seinem eigenen Leben gen\u00e4hrt werden.<\/p>\n<p>Um diese besondere Art von Familie anzudeuten, gebraucht der Evangelist Jo-hannes ein eindrucksvolles Bild: Weinstock und Reben (Joh 15). Dieselbe Lymphe, wir k\u00f6nnen sagen: dasselbe Blut, dasselbe Leben, d.h. dieselbe Liebe (die Liebe, mit der der Vater den Sohn liebt), wird uns mitgeteilt (vgl Joh 17,23) und kreist zwischen Jesus und uns. Wir werden blutsverwandt, ein Leib  mit Christus. Im wahrsten und \u00fcbernat\u00fcrlich tiefsten Sinn nennt Jesus also seine J\u00fcnger nach seiner Auferstehung \u201cBr\u00fcder\u201d (Joh 20,17). Und der Verfasser des Hebr\u00e4erbriefes best\u00e4tigt, da\u00df der auferstandene Jesus \u201csich nicht scheut, sie Br\u00fcder zu nennen\u00a0\u00bb (Hebr 2,11).<br \/>\nIst nun diese Familie des Gottesreiches einmal aufgebaut, wie kann man da noch an einen Tod denken, der das Werk eines Gottes zerst\u00f6rt, mit allen schmerzlichen Konsequenzen, die sich daraus ergeben? Nein! Gott konnte uns keiner Sinnlosigkeit gegen\u00fcberstellen! Er mu\u00dfte uns eine Antwort geben. Und er hat sie uns gegeben, als er uns die Wahrheit von der Auferstehung des Flei-sches offenbarte. Sie ist f\u00fcr den Gl\u00e4ubigen fast kein dunkles Glaubens\u00acgeheimnis mehr, sondern eine logische Folge des christlichen Lebens. Sie weckt in uns die unendliche Freude, zu wissen, da\u00df wir uns alle wieder zu-sammenfinden werden mit jenem Jesus, der uns in solcher Weise vereint hat.<\/p>\n<p>Die Offenbarung spricht weiter \u00fcber die Eucharistie in der Apostelgeschichte. Die Urkirche ist Jesus \u00e4u\u00dferst treu in der Verwirklichung seines Wortes: \u00ab\u00a0Tut dies zu meinem Ged\u00e4chtnis.\u00a0\u00bb<br \/>\nVon der ersten Gemeinschaft in Jerusalem hei\u00dft es ja: \u201eSie hielten an der Leh-re der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten\u00a0\u00bb (Apg 2,42).<br \/>\nUnd \u00fcber das missionarische Wirken von Paulus wird berichtet: \u201eAls wir am ers-ten Wochentag versammelt waren, um das Brot zu brechen, redete Paulus zu ihnen, denn er wollte am folgenden Tag abreisen; und er dehnte seine Rede bis Mitternacht aus. Dann&#8230; brach er das Brot und a\u00df und redete mit ihnen bis zum Morgengrauen. So verlie\u00df er sie\u201c (Apg 20,7 11).<\/p>\n<p>Auch in seinem ersten Brief an die Korinther zeigt Paulus seinen gl\u00fchenden und sicheren Glauben an Leib und Blut Christi, wenn er schreibt: \u00ab\u00a0Ist der Kelch des Segens, \u00fcber den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?\u201c (1Kor 10,16) Und er beschreibt weiter die Wirkung dieses geheimnisvollen Brotes in denen, die es empfangen: \u201eEin Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle ha-ben teil an dem einen Brot\u00a0\u00bb (1Kor 10,17).<\/p>\n<p>Ein einziger Leib! Johannes Chrysostomos kommentiert: \u201e&#8230;Wir sind dieser sel-be Leib. Was ist denn das Brot? Leib Christi. Und was werden jene, die davon essen? Leib Christi. Nicht viele Leiber, sondern ein einziger Leib. Wie n\u00e4mlich das Brot solcherma\u00dfen eins ist, da\u00df man die K\u00f6rner nicht mehr unterschei-det,&#8230; so sind wir eng verbunden: untereinander und mit Christus\u00a0\u00bb (13).<\/p>\n<p>Jesus, du hast Gro\u00dfes vor mit uns und du verwirklichst es durch die Jahr\u00achunderte: uns einszumachen mit dir, damit wir dort sind, wo du bist. F\u00fcr dich, der du aus der Dreifaltigkeit auf die Erde gekommen bist, war es der Wille des Vaters, dorthin zur\u00fcckzukehren. Aber du wolltest nicht allein dorthin zur\u00fcck\u00ackehren, sondern zusammen mit uns. Und so der lange Weg: von der Dreifaltig\u00ackeit zur\u00fcck zur Dreifaltigkeit, durch Geheimnisse von Leben und Tod, Schmerz und Herrlichkeit.<br \/>\nWie gut, da\u00df die Eucharistie auch \u00ab\u00a0Danksagung\u00a0\u00bb ist! Nur durch sie k\u00f6nnen wir dir in angemessener Weise dan<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"give_campaign_id":0,"_seopress_robots_primary_cat":"","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[47],"tags":[],"class_list":["post-353926","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-non-classifiee"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/353926","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=353926"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/353926\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=353926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=353926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.focolare.org\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=353926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}