Kenia: An der Grenze zum Südsudan

 
Am Rande des Bischofstreffens in Castel Gandolfo (7.-10. März) haben wir mit Bischof Dominic Kimengich gesprochen aus der Diözese Lodwar, die an der Grenze zu Uganda, Äthiopien und dem Südsudan liegt. In der kenianischen Diözese haben trotz Guerillakämpfen und einer lebensbedrohenden Trockenheit 200.000 Flüchtlinge Zuflucht gefunden

P1300494Unsere Diözese – erzählt der Bischof – liegt in Turkana County, 700 Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernt. Reisende, die zu uns kommen, müssen sich vorher vergewissern, dass die Straße durch Polizeikontrollen geschützt ist, um nicht in Auseinandersetzungen und Überfälle zu geraten. Aufgrund des Klimawandels herrscht im ganzen Gebiet von Turkana eine fürchterliche Trockenheit, seit langer Zeit hat es nicht mehr geregnet. 60 Prozent der Bevölkerung sind Nomaden, die von Viehzucht leben: Kamele, Schafe, Ziegen, Esel und Rinder. Doch die Weideflächen sind vertrocknet, es gibt keine Nahrung mehr für die Tiere und damit auch für die Menschen. Sie sind gezwungen, in benachbarte Gebiete auszuwandern, doch da hier Grenzgebiet ist und viele Stämme ums Überleben kämpfen, geraten sie zwischen die Fronten und werden getötet, darunter auch viele Kinder und Frauen.

In unserer Diözese haben wir ein Flüchtlingscamp errichtet, Kakuma, wo nahezu 200.000 Flüchtlinge vor allem aus dem Südsudan und Somalia untergekommen sind, doch von Tag zu Tag wird die Lage schwieriger, denn auch die Einwohner von Lodwar leiden aufgrund der Trockenheit unter Nahrungs- und Wassermangel. Viele Kinder können gar nicht mehr in die Schule gehen.

1985 habe ich im Priesterseminar von der Spiritualität der Fokolare gehört, aber nachdem ich zum Priester geweiht worden war, kam ich in eine Pfarrei, von der aus es unmöglich war, den Kontakt zum Fokolar zu halten. Erst als ich Bischof wurde, kann ich wieder an Treffen in Nairobi teilnehmen. 2012 feierten wird das 50jährige Evangelisierungsjubiläum. Dazu haben wir Bischöfe der benachbarten Diözesen eingeladen: Uganda, Südsudan, Äthiopien und vier Diözesen aus Kenia, um über den Frieden zu sprechen und zu verstehen, was wir dafür tun konnten. 10 Bischöfe sind gekommen, wir waren drei Tage lang zusammen, und jetzt führen wir diese Begegnung jedes Jahr durch. Seitdem wir uns treffen, scheinen die Konflikte abzunehmen. Einmal habe ich Bischof Markos aus Äthiopien besucht, der auch bei unserem Treffen gewesen ist. In der Einheit untereinander und mit den anderen Bischöfen finden wir die Kraft, unser Amt in einer so schwierigen Zeit auszuüben.

P1300835Hier in Castel Gandolfo ist es wunderbar, die eigenen Erfahrungen mit Bischöfen aus der ganzen Welt zu teilen. Wir vertiefen uns gemeinsam in das Charisma der Einheit, das auch uns Bischöfe lehrt, wie wir im Geist echter Geschwisterlichkeit leben können. Das Thema dieses Jahres findet in mir und in meinem Land ein starkes Echo. Nur wenn wir die Dinge von der Verlassenheit des Gekreuzigten her betrachten, können wir auf eine Welt hoffen, in der die Menschen lernen, in Frieden zu leben, das miteinander zu teilen, was sie haben und sich zu umarmen als Kinder des gleichen Vaters.

Wenn ich jetzt in meine Diözese zurückkehre, kann ich überzeugt behaupten, nicht mehr der von vorher zu sein. Ich bin viel stärker geworden durch die Einheit mit meinen bischöflichen Brüdern. In der Einheit mit Jesus in seiner Verlassenheit bin ich nicht mehr allein in jenem Teil Kenias, um die Schwierigkeiten anzugehen. Jesus ist ganz nah bei mir. Ich weiß auch, dass ich mit dem Gebet der ganzen Fokolar-Bewegung rechnen kann. Ich bin Gott sehr dankbar, dass er das alles ermöglicht hat.

Verhaltensregeln(500)

 

Read also